ßreite Front für den CSSR-Parlamentspräsidenten

Eisenbahner und Bergleute hinter Josef Smrkovsky

Springer-Auslandsdienst - dpa - ap - upi

Prag, 31. Dezember

Der populäre Parlamentspräsident der CSSR, Josef Smrkovsky, den die Sowjets stürzen wollen, bekommt immer breitere Unterstützung. In der vergangenen Nacht hat die starke Eisenbahnergewerkschaft mit ihren 180 000 Mitgliedern sehr energisch gefordert, daß Smrkovksy bleiben müsse. Der Protestresolution haben sich auch über 100 000 Bergarbeiter angeschlossen.

Schon in der vergangenen Woche hatten die 950 000 Metallarbeiter mit Streik gedroht. Prager schmückten gestern das Denkmal des heiligen Wenzel mit Bildern Smrkovskys und mit Blumen. Darunter stand: "Wir Slowaken sind mir Dir."

Das war eine Antwort auf die Kampagne des von den Russen geförderter" Parteichefs der slowakischen KP, Dr. Husak. Er hatte immer wieder die Abberufung des Tschechen Smrkovsky mit der Begründung gefordert, der Parlamentspräsident müsse ein Slowake sein, weil schon die Ämter des Präsidenten der Republik und des Premierministers mit Tschechen besetzt seien.

In die Kontroverse griff gestern auch der sehr angesehene stellvertretende Präsident des Nationalrates, Dr. Zdenek Jecinsky ein. Er schrieb in der Gewerkschaftszeitung "Prace", Husak wolle mit seiner Kampagne einen der führenden Reformpolitiker "hinausmanövrieren". Die Frage der Verteilung der höchsten Posten an Tschechen und Slowaken sei bloß "künstlicher Nebel". Dahinter verberge sich der erbitterte Konflikt zwischen den liberalen Reformern und den einseitig nach Moskau orientierten Konservativen in der Führung der Tschechoslowakei. Dr. Zdenek Jecinsky: "Der Name Josef Smrkovsky ist untrennbar mit unseren demokratischen Idealen verknüpft."