Auch Moskau für gemeinsame Aktion der Großmachte

Nahost-Gipfel in Sicht

Springer-Auslandsdienst - dpa - ap - upi

London/Paris, 31. De/..

Eine Gipfelkonferenz der vier Großmächte über die Beilegung des Konfliktes in Nahost kommt immer mehr in Sicht. Die Initiative des franzosischen Außenministers Michel Debre, der, wie gestern berichtet, eine Friedensaktion der großen Vier gefordert hatte, fand schon ein Echo in Moskau.

Valerian Sorin. der Sowjetbotschafter in Paris, sagte schon wenige Stunden nach Debrcs Erklärung, sein Land werde die französische Initiative unterstützen. Die Sowjetunion sei für eine gemeinsame Aktion der vier Großmächte, damit eine friedliche Lösung gefunden werde. Auch Moskau halte die Entschließung des Weltsicherheitsrates von Ende 1967 für eine gute Verhandlungsbasis.

Offiziell haben sich London und Washington noch nicht geäußert. In britischen Regierungskreisen hieß es aber schon, man denke auch an ein Übereinkommen der Großmächte, durch den der Beschluß des Sicherheitsrates realisiert werden müsse.

Die Entschließung der Vereinten Nationen forderte damals die Wiederherstellung der freien Schiffahrt durch den Suezkanal und die Straße von Tiran, die Einstellung der Propaganda beider Fortsetzung auf Seite 2

Seiten, die Anerkennung der Normen des internationalen Rechts und die schrittweise Räumung der von Israel besetzten arabischen Gebiete.

Zu den Verhandlungen der Großmächte müßten auch Israel, Ägypten und Jordanien hinzugezogen werden. Das hat Debre in einer späteren Erklärung ergänzt. Er sagte: "Das ist wesentlich. Denn es kann sich nicht darum handeln, eine Lösung aufzuzwingen."

Währenddessen versuchen die libanesischen Fluggesellschaften die Folgen der israelischen Militäraktion gegen den Flughafen von Beirut auszugleichen. Die Gesellschaften verloren, wie gemeldet, 13 schwere Passagiermaschinen. Der Flugverkehr lief heute aber schon wieder fast normal, weil eine Reihe von arabischen Ländern Flugzeuge ausliehen. Auch die französische "Air France" hat Maschinen nach Beirut geschickt. Die sowjetische "Aeroflot" hat "unbegrenzte Hilfe" angeboten.

Die größte internationale libanesische Fluggesellschaft, die "Middle East Airlines" (MEA) ? sie verlor acht Maschinen ? ist über den Londoner Versicherungsmarkt weltweit rückversichert. Nach intensiven Beratungen in der Londoner City haben die Vertreter der Lloyd's Versicherer und anderer großer Gesellschaften beschlossen, den Schaden voll zu decken. Es wird mit einer Zahlung von 140 Millionen DM an die MEA gerechnet.

Sprecher der MEA hatten schon gestern in London erklärt, daß ihre Flugzeuge mit einer "sehr hohen Prämie" gegen jedes Risiko, auch gegen kriegerische Handlungen, versichert seien.

Ein wenig resigniert sagte ein Sprecher der Lloyd's Versicherer, man werde sich trotz der hohen Prämien überlegen müssen, ob weiterhin ein derartiger Versicherungsschutz angeböten werden könne. "Wenn sich ein Risiko als zu groß erweist, muß man das Versicherungsangebot fallen lassen, weil es sich nicht mehr rentiert. Lloyd's sind keine Philanthropen (Menschenfreunde), sie sind des Gewinns wegen im Geschäft."