Menschlich gesehen

Der Silvesterspezialist

Das ganze Jahr lang lachen die Rheinländer auf seine Kosten. Heute abend aber wird er ihnen und Millionen Fernsehzuschauern des 1. Programms zeigen, was die Glocke geschlagen hat. Walter H o o r, der rheinische Spaßvogel vom Dienst. Schauspieler. Sänger, Tänzer, ist der Silvester-Uhren-Spczialist im Studio A des WDR: Sieben stehende, hängende, auf jeden Fall vernehmbar schlagende Exemplare sind seiner Obhut anvertraut. Punkt zwölf Uhr muß er sie zum Schlagen bringen; davor und danach treibt er mit den Zeitmessern seinen Seherz.

Walter Hoor, der Unermüdliche, ist der einzige von vielen Gestaltern des Silvesterprogramms, der den Zuschauern während des ganzen Abends erhalten bleibt. Bevor er in den gelben Uhrenmonteuranzug schlüpft, trägt er das Kostüm des Eugen in der "Pension Schöller" und steht zusammen mit Willy Millowitsch auf der Bühne. Wer ihn da hört, wird allerdings kaum glauben, daß dieser Mann bis drei, geschweige denn bis zwölf zählen kann. Er verwechselt ständig die Buchstaben "L" und ?N". hat aber einen künstlerischen Höhenflug, der sich zwischen "König Near", "Othenno" und "Wannenstein" bewegt.

Sein geheimer Traum allerdings ist eine "Ganavorstennung in Bernin" ? und dies ist nun ein ganz ernstgemeinter Wunsch, den der Düsseldorfer für das Jahr 1969 hat: Er möchte gern auf einer Berliner Bühne spielen, am liebsten den Dauphin in Shaws "Heilige Johanna".

Zuvor jedoch ruft wieder einmal die Fernsehkamera: Gleich zu Beginn des neuen Jahres geht's los mit den Proben für ein Fernsehspiel. Titel: "Bärenfang in Hirrterwang". Etwas zum Lachen natürlich.