Mit Zuversicht in das Jahr 1969- Mit der Wirtschaft geht es weiter aufwärts ? Keine höheren Steuern

Arbeitsplätze sind gesichert

Bonn/Stuttgart, 31. Dezember Die Deutschen können dem Jahr 1969 mit Zuversicht entgegenblicken. Alle führenden Bonner Politiker haben zum Jahresende erklärt: Die Arbeitsplätze sind gesichert, die Staatsfinanzen gesund, es geht wirtschaftlich weiter aufwärts, und die Steuerzahler werden nicht stärker als jetzt belastet werden.

Eigener Bericht - dpa - upi

Kanzler Kiesinger erklärte in einem Interview: "Unser Geld ist gut. Wir haben verhindert, daß die internationale Währungsmisere auf uns übersprang."

Finanzminister Franz-JosoT Strauß versicherte in einer Rundfunkansprache, die Spai-er brauchten nicht zu bangen, denn die Währung werde stabil bleiben. Abstriche am sozialen Besitzstand könnten vermieden werden. Vollbeschäftigung und Sicherheit der Arbeitsplätze würden weiter bei steigendem Arbeitnehmereinkommen gegeben sein: "Wir brauchen kaum einen konjunkturellen Rückschlag zu befürchten, wenn wir nicht selbst in Fehler der Vergangenheit verfallen oder neue Sünden begehen."

Den Unternehmern versprach Strauß, daß die zusätzlichen Einnahmen durch die Ausfuhrsteuer "bis zum letzten Pfennig" für Ausgleich- und Stützungsmaßnahmen in Wirtschaftsbereichen Fortsetzung auf Seite 2

eingesetzt würden, in denen es durch die Exporterschwerung beziehungsweise Importerleichterung zu Schwierigkeiten käme.

Bundeswirtschaftsminister Prof. Karl Schiller rechnet für das kommende Jahr fest mit einem weiteren stabilen Wachstum der Wirtschaft. Bundesbankpräsident Blessing sagte auf die Frage nach seiner Konjunkturprognose: "Alles in allem glaube ich, daß wir mit einem weiteren Boom rechnen können."

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Ludwig Rosenberg, sieht in der Kaufkraftsteigerung eines der wichtigsten Ziele für 1969. In der Gewerkschaftszeitung "Welt der Arbeit" schrieb er, höhere Löhne und Gehälter sowie die Unterstützung öffentlicher Aufträge müßten im nächsten Jahr den Binnenmarkt stärken.

Als Auftakt des am Mittwoch beginnenden offiziellen Verkaufs der Bundesschatzbriefe verschenkten Strauß und Schiller am Montag je drei der neuen Wertpapiere im Wert von je 100 DM. Empfänger im Wirtschaftsministerium waren eine Raumpflegerin, ein Telefonist und ein Hauptamtsgehilfe. Strauß überreichte die Schatzbriefe in seinem Heimatort Rott am Inn an Oberschüler als Ausbildungsbeihilfe.

(Lesen Sie auch im Wirtschaftsteil: Rückblick und Ausblick)