Für Hamburg wichtiger als Berufsverkehr mit Privatautos

Lastwagen behalten Vorrang

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Lastzüge und der öffentliche Nahverkehr genießen in Hamburg Vorrang. Der Berufsverkehr mit Privatwagen muß zurückstehen. Das ist die einhellige Meinung der Verkehrsexperten in der Hansestadt. Diese Auffassung steht in Widerspruch zu den Plänen des Bundesverkehrsministeriums. In den nächsten Wochen wird der Senat die Vorschläge von Bundesverkehrsminister Georg Leber eingehend zu prüfen haben. Leber schlägt vor, morgens und abends auf den Hauptausfallstraßen den Lastzugverkehr zu verbieten.

"In einer Hafen- und Industriestadt vom Range Hamburgs darf man den Wirtschaftsverkehr nicht beeinträchtigen. Zeit ist Geld, das gilt besonders für unseren Hafen", erklärte Staatsrat Dr. Hans Fahning zu diesem Problem. Er schränkte jedoch ein, daß selbstverständlich zunächst Vorschläge des Bundesministeriums genau untersucht werden müßten, bevor eine endgültige Stellungnahme abgegeben werden könnte.

Nicht nur die wirtschaftlichen Überlegungen stehen einer Sperrung der Straßen für Lastzüge in den Spitzenzeiten des Verkehrs entgegen. Es gäbe am

Stadtrand auch nicht genügend Platz für die zu stoppenden Lastzüge. Hinzu käme, daß nach den Sperrzeiten lange Lastwagenkolonnen voraussichtlich zu noch schwereren Verkehrsbehinderungen führen würden.

Erster Baudirektor Dr. Alexander Eichhorst erläutert: "Die Fahrer von Personenwagen überschätzen bei weitem die Behinderung des fließenden Verkehrs durch Lastzüge. Die Maschinen sind heute meistens stark genug, um ein schnelles Anfahren zu ermöglichen. Wir können Privatfahrern immer wieder nur empfehlen, mehr von den Möglichkeiten des Park-and-Ride-Systems Gebrauch zu machen."

Seit Jahren hat die Baubehörde zusammen mit der Handelskammer versucht, die Verkehrsströme morgens und abends zu entzerren, unter anderem durch die Staffelung der Arbeitszeit. Nach den letzten Zählergebnissen soll die Methode in Hamburg weiter verfeinert werden.

Der Ausbau des Schnellbahnsystems soll eine Abschwächung des Personenwagenverkehrs in der Innenstadt ermöglichen. Die Zahl der Parkplätze in der City wird nicht mehr vergrößert, um auf diese Weise den Verkehr von Privatwagen im Zentrum einzudämmen. Eine wesentliche Erweiterung der Stra- ßen ist nicht mehr möglich. ga

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