Platz für 1000 Arbeitskräfte / 1971 betriebsbereit

Dow Chemical baut bei Stadersand

Eigener Bericht

R.St. Stade ? Die amerikanische Firma Dow Chemical Co. Europe S. A. hat gestern entschieden, daß sie schon in den nächsten Monaten bei Stadersand mit dem Bau einer Fabrik für Chlor, Ätznatron und Lösungsmittel beginnen wird. Der Bau soll rund eine balbe Milliarde DM kosten und schon 1971 betriebsbereit sein. Der Entscheid fiel, nachdem die niedersächsische Landesregierung sich bereit erklärt hatte, dem Werk ein 350 ha großes Baugelände zur Verfügung zu stellen.

Das niedersächsische Wirtschaftsministerium hatte sich schon seit anderthalb Jahren um die geplante Niederlassung von Dow Chemical bemüht. Generaldirektor Zoltan Merszei soll sich schließlich für Stadersand entschieden haben, weil außer dem geeigneten Gelände auch geeignete Arbeitskräfte, ausreichende Salzvorkommen und Energiequellen vorhanden sind. Stadersand kann bei der geplanten Anlage eines neuen Hafens von Seeschiffen bis zu 60 000 t erreicht werden. Der hannoversche Wirtschaftsminister Karl Möller rechnet damit, daß in dem Werk zunächst rund 1000 Arbeitskräfte aus dem wirtschaftlich unterentwickelten Stader Raum Beschäftigung finden.

Die auf weite Sicht geplanten und mit dem Werksbau in Verbindung stehenden Ausbauten werden nach Möllers Ansicht "Milliarden in Bewegung setzen" und Möglichkeiten auch für die Anlage weiterer Werke im Raum nordwestlich von Hamburg erschließen. Der Minister bezeichnete in Hannover den Werksbau bei Stadersand, für den schon Vorbereitungen getroffen werden, als das größte industrielle Projekt Niedersachsens seit dem zweiten Weltkrieg.

Die Produktion in Stade soll die Basis-Chemikalien umfassen, denen Dow seinen Aufschwung in den vergangenen sieben Jahrzehnten verdankt: Chlor-Alkati-Produkte, Lösungsmittel und ergänzende Chemikalien. Zurzeit werden diese Materialien je nach Bedarf der verschiedenen europäischen Dow-Fabriken gekauft. Dow gilt als der Welt größter Hersteller und Hauptlieferant von Lösungsmitteln für die Industrie.

Merszei kündigte auch eine Erweiterung des Werks in Terneuzen, Holland, an, das eine jährliche Zuwachsrate von 10 bis 15 % aufweist und innerhalb der nächsten fünf Jahre zusätzliche Investitionen von 100 Mill. Dollar (rund 400 Mill. DM) erforderlich machen wird. Die Werke in Holland sind Dows größte europäische Produktionsstätten und entsprechen in ihren Investitionswerten etwa 100 Mill. Dollar, von denen der Hauptanteil auf Terneuzen fällt. Das Unternehmen hat gegenwärtig einen Jahresumsatz von insgesamt rund 5,5 Mrd. DM.

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