Das Fahrrad wird in Deutschland wiederentdeckt, aber 1795 Menschen starben

Radfahrer leben gefährlich

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Deutschlands Radfahrer leben gefährlich. Genau 1795 von ihnen fielen im vergangenen Jahr dem immer stärker anschwellenden Straßenverkehr zum Opfer. Über die Ursachen, auf die diese hohe Zahl zurückzuführen ist, heißt es in den meisten Unfallberichten: Menschliches Versagen.

In der Bundesrepublik wird zur Zeit das Fahrrad wiederentdeckt. Die Hersteller haben sich der sprunghaft gestiegenen Motorisierung angepaßt und bauen heute Fahrräder für den Autofahrer. Sie können zusammengeklappt und im Kofferraum mitgeführt werden, und seitdem selbst Abgeordnete zur Bekämpfung der Fettleibigkeit ins Bonner Bundeshaus radeln, bekommen plötzlich auch die unter großen Kosten angelegten Fahrradwege wieder einen Sinn.

Doch damit, daß der Automobilist wieder ein Fahrrad besteigt, beginnen bereits die Probleme. Er fühlt sich losgelöst vom Straßenverkehr und läßt sich, wie die Deutsche Verkehrswacht in einer Untersuchung festgestellt hat, zu allerlei gefährlichem Unsinn verleiten.

Danach sind die Nichtbeachtung der Vorfahrt und falsches Wenden Unfallursache Nummer 1 bei Radfahrern: ?Es gibt keine andere Gruppe der Verkehrsteilnehmer, bei der ein gleich hoher Prozentsatz der dadurch hervorgerufenen Unfälle festgestellt werden konnte. Die große Wendigkeit des Zweirades und seine schmale Konstruktion verleihen

immer wieder das Gefühl trügerischer Bewegungstüchtigkeit."

Kann man bei radfahrenden Automobilisten immerhin noch die Kenntnis der Verkehrsregeln voraussetzen, so fehlt sie bei Nicht- Autofahrern fast völlig. Für sie hat die Verkehrswacht einen Leitfaden für das Wohlverhalten im Straßenverkehr erarbeitet:

1. Nicht "pendeln", scharf rechts und nicht nebeneinander fahren.

2. Nicht an haltenden Fahrzeugkolonnen rechts vorbeifahren.

3. Jede Änderung der Fahrtrichtung rechtzeitig und deutlich anzeigen.

4. Vor jeder Richtungsänderung und dem Verlassen des Radweges auf der Straße umsehen. Kraftfahrzeuge vorbeilassen.

5. Frühzeitig die Beleuchtung einschalten, um besser gesehen zu werden.

6. Beim Mitnehmen von Kindern die dafür geltenden Sicherheitsvorschriften beachten (Fußstützen, abgedeckte Speichen usw.).

Kraftfahrer neigen dazu, ein vermeintliches "Recht des Stärkeren" durchzusetzen. Beim Rechts- oder Linkseinbiegen auf Großstadtstraßen mögen sie die Augen nicht mehr nach hinten richten, weil "Radfahrer in den vergangenen Jahren immer seltener geworden sind." So jedenfalls die Aussage eines Autofahrers, der einen Radfahrer angefahren hatte.

Die Verkehrswacht appelliert deshalb an die Autofahrer, sich zu vergewissern, ob Radfahrer in der Nähe sind (besonders beim öffnen der Wagentür). In Zweifelsfällen sollte man das Gas wegnehmen, notfalls Warnzeichen geben und die Radfahrer nie über die eigenen Absichten im Zweifel lassen. Für alle aber gilt der Grundsatz, stets einen Sicherheitsabstand von 1,50 m einzuhalten.

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