Nicht überall die gleiche Auffassung

Wo die Männer Frauenarbeit verrichten

Im westlichen Kulrurkreis sind die Auffassungen über das, was als Männer-, und das, was als Frauenarbeit anzusehen ist, fast gleich. Diese Auffassungen setzen sich aus Tradition und Vorurteilen zusammen. Wir betrachten zum Beispiel die Besorgung des Haushaltes, Nähen und Flicken als Frauenarbeit, während wir schwere körperliche Arbeit im allgemeinen als Männerarbeit ansehen.

Das ist nicht überall so. Die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern hat vor allem bei den farbigen Völkern ein ganz anderes Gesicht. Bei vielen Negerstämmen in Afrika hat die Frau alle schweren Arbeiten, vor allem die Feldarbeit, zu verrichten. Die Männer gehen höchstens auf die

Jagd. Dafür machen sie sich aber insofern im Haushalt nützlich, als das Nähen, das Weben und das Flechten in ihr "Ressort" fällt. Auch das Waschen ist bei vielen farbigen Völkern ausschließlich Männersache, wie zum Beispiel in Abessinien und in Tunesien. Dort verrichten die Männer auch die Küchemarbeit. Bei einigen Negervölkern, bei den Hindus und bei einigen Stämmen der Südseeinsulaner liegt nicht nur die Erziehung, sondern auch die Wartung der Kinder ganz bei den Männern.

Bei einigen farbigen Völkern sind die Frauen auch die Ernährer der Familie, da sie es sind, die ein Gewerbe ausüben oder den Lebensunterhalt durch harte körperliche Arbeit herbeischaffen müssen, während die Männer zu Hause sitzen. Derartige Sitten und Gebräuche kann man allerdings auch im Kulturkreis der weißen Rasse beobachten, so zum Beispiel auf dem Balkan und in etwas gemilderter Form auch in Süditalien.

In Grönland und bei den Seelappen hat die Frau ebenfalls alle schwere Arbeit zu tun. Bei einem Negerstamm am Kongo dagegen verrichten Frauen und Männer genau die gleiche Arbeit. Eine Arbeitsteilung nach dem Geschlecht besteht also nicht, wie auch nicht mehr im heutigen Rußland, wo die Frauen nicht nur in Bergwerken arbeiten, sondern auch alle anderen Arbeiten verrichten, die bisher als reine Männerarbeit betrachtet wurden.

Man kann im allgemeinen feststellen, daß bei kulturell hochstehenden Völkern die Frau nur die leichteren Arbeiten auf sich zu nehmen hat. Doch dort, wo die Technik sich mit der Zivilisation verbindet, also im westlichen Kulturkreis, wächst die Frau mehr und mehr aus der häuslichen Sphäre hinaus und dringt in die Männerberufe hinein. Das wiederum bringt es mit sich, daß die Männer sich mit Haushaltsarbeiten befassen müssen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Verhältnisse in den USA, wo es durchaus zum Ressort des Mannes gehört, Geschirr zu spülen, die Kinder trockenzulegen und die Fußböden zu scheuern.

Die Begriffe Männerarbeit und Frauenarbeit sind also auch in unserem Kulturkreis fließend geworden und nicht mehr scharf abzugrenzen.

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