Verlassene Braut hat Anspruch auf Entschädigung

Das "Kranzgeld" ist nicht verfassungswidrig

Eigener Bericht

Köln, 14. August

Der im Gesetz verankerte Anspruch der verlassenen Braut auf "Kranzgeld" ist nicht verfassungswidrig. Das betonte das Oberlandesgericht Köln. Es wies damit den, Einspruch eines Mannes aus dem Rheinland zurück, der ein Verlöbnis gebrochen und eine 40jährige Frau nach intimem Zusammenleben sitzengelassen hatte.

Der Mann wehrte sich vergeblich gegen die Zahlung einer angemessenen Entschädigung an die Frau. Das Oberlandesgericht stellte heraus, daß der Anspruch auf "Kranzgeld" auch dann nicht verfassungswidrig sei, wenn der Mann, wie er behauptet, von der Frau verführt worden sei und nach seiner Ansicht dafür eigentlich etwas von der Frau zu bekommen habe.

Auch das Argument des Mannes, seine Exverlobte sei nicht unbescholten gewesen und könne aus diesem Grunde von ihm keine Zahlung fordern, wurde

von dem Gericht zurückgewiesen. Das Gericht ließ die Begründung des Mannes, seine Braut habe sich schon beim ersten Zusammensein in einer Weise verhalten, die auf eine häufige Übung habe schließen lassen, nicht gelten. Der Schluß, daß die Frau solche Kenntnisse durch den vorausgegangenen Umgang mit anderen Männern erworben habe, sei nicht gerechtfertigt, sagten die Richter. Es gebe vielmehr, was keiner näheren Begründung bedürfe, auf diesem Gebiet reichliche theoretische Erkenntr nisquellen in Wort, Schrift und Bild, die geeignet seien, bei der ersten praktischen Erfahrung den Eindruck zu vermitteln, als ob der andere Partner nicht mehr unbescholten sei.

Auch mit seinem letzten Argument kam der Beklagte nicht zum Ziel. Der "Kranzgeld" -Anspruch entfällt nicht dadurch, so heißt es in dem Urteil, daß die Bescholtenheit der Braut vor Eingehung des Verlöbnisses durch den Verlobten selbst herbeigeführt worden ist. (Aktz.:9U182'67).

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