Anlaß ein Flugblatt / CDU: Noch tragbar?

Egon Monk von Bürgerschaft und Senat kritisiert

Krach um Hamburgs zukünftigen Schauspielhausintendanten Egon Monk! Sein politisches Verhalten bei der Notstandsdemonstration im Schauspielhaus, die am 29. Mai zum Abbruch einer Vorstellung führte, trug ihm gestern die massive Kritik der Bürgerschaft ein. Auch der Senat mißbilligte ausdrücklich Monks Vorgehen. Und die CDU-Abgeordnete Käte Staudinger stellte in der erregten Debatte schließlich die Frage: "Ist unter diesen Umständen Monk der richtige Mann für Hamburg und als künftiger Intendant noch tragbar?"

Anlaß für diese Breitseiten gegen Hamburgs neuen Theaterchef: Er hatte zusammen mit Verwaltungsdirektor Hirsch ein Flugblatt unterzeichnet, in dem zu einer Diskussion über die Notstandsgesetze während der Pause und nach der Vorstellung aufgerufen wurde.

Gleich zu Beginn der Bürgerschaftsdebatte, die gestern durch eine große Anfrage der CDU ausgelöst wurde, stellte Senator Kramer fest: "Der Senat mißbilligt die Unterzeichnung durch die Herren Monk und Hirsch im Hinblick auf den mit dem Flugblatt beabsichtigten Mißbrauch eines staatlichen Theaters für eine politische Demonstration." Und: ?Die Kulturbehörde Kat den staatseigenen Theatern unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß

sie den störungsfreien Ablauf der Vorstellungen und den Schutz des Publikums vor Belästigungen zu sichern haben."

"Man muß wissen, was man unterschreibt!" Mit diesen Worten eröffnete die CDU-Abgeordnete Käte Staudinger ihren Angriff gegen den zukünftigen Theaterchef. "Das Schauspielhaus ist nicht! dazu da, um dort theaterfremde Dinge zu diskutieren." Abschließend kommentierte Käte Staudinger: "Herr Monk hat seine Ära mit einer ,Publikumsbeschimpfung' begonnen. Das Stück, dargestellt von politischen Analphabeten, war schlecht, die Zuschauer gingen nach Hause."

Dr. Faul Nevermann (SPD): "Das Flugblatt, mit dem zur Diskussion ins Theater eingeladen wurde, ist ausgemacht perfide. Es enthält eine Vielzahl von Beleidigungen. Das ist schlimm für die leitenden Herren . des Schauspielhauses. Wir wollen in Hamburg nicht wieder erleben, daß leitende Herren des Schauspielhauses ihre private Meinung mit ihrer beruflichen Stellung verquikken und so als Störung in das Hamburger Theaterpublikum hineintragen."

Der FDP-Abgebrdnete Reinhard Philipp teilte zwar die Mißbilligung durch den Senat und bezeichnete das Flugblatt als "erheblich unter der Gürtellinie". Zugleich aber setzte er sich für Egon Monk ein. "Ich bin nicht der Meinung, daß politische Diskussionen vom Theater ferngehalten werden sollen. Schließlich haben wir uns zwei Jahrzehnte darüber beklagt, daß es an politischem Engagement fehle."

Dr. Wilhelm Witten (CDU): "Ich hatte auch zunächst geglaubt, Egon Monk habe nicht richtig durchgelesen, was er unterschrieb. Aber in einem Telefongespräch hat er mir ausdrücklich versichert, daß er dieses Flugblatt ganz bewußt und in genauer Kenntnis seines Inhalts unterzeichnet habe."

Der CDU-Abgeordnete Dr. Wilhelm Imhoff ging noch einen Schritt weiter. Er kritisierte auch den Spielplan, den Monk für die kommende Saison aufgestellt hat. Nach seiner Ansicht gebe der neue Theaterchef den politischen Stükken den Vorrang. Dr. Imhoff: "Man muß befürchten, daß im Schauspielhaus bald ein künstlerischer Notstand ausbrechen wird. Immerhin sind schon 2300 Abonnements gekündigt worden. Man sollte Monk doch bitten, seinen Spielplan noch einmal zu überprüfen."

Kultursenator Gerhard Kramer (SPD): "Nach einer Unterhaltung mit Monk habe ich den Eindruck bekommen, daß er in einer einmaligen Situation gehandelt hat." Zugleich plädierte Kramer für "künstlerische Freiheit in dieser Stadt". Eine Diskussion über den schon festgelegten Spielplan sei jetzt nicht mehr möglich.

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