Zum 90, Geburtstag des Malers Fritz Pfuhle

Liebe zu Mensch und Natur

Heute vollendet der als Porträtist und durch seine Pferdebilder bekannte Maler Prof. Fritz Pfuhle in seinem Reinbeker Meim das 90. Lebensjahr. Pfuhle ist gebürtiger Berliner wie der um eine Generation ältere Max Liebermann; mit ihm hat Fritz Pfuhle nicht nur die Liebe zu Reitpferden, sondern auch den schlagfertigen satirischen Witz und Berliner Humor gemein. Obwohl er dreieinhalb Jahrzehnte ? man darf sagen: in der Hauptzeit seines Schaffens -? in Danzig beheimatet war, spricht er noch heute ein typisches Berlinerisch.

Nach dem Willen des Vaters sollte der Sohn Architekt werden. Doch entscheidend wurde für Fritz Pfuhle, der schon als Gymnasiast durch zeichnerische Begabung aufgefallen war, die Begegnung mit dem Hamburger Otto Eckmann, dem Begründer des Jugendstils, der damals an der "Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums" lehrte. Als sein Schüler hat Pfuhle dort entscheidende ideelle und vielfältige praktische Anregungen empfangen, bevor er die Akademie in Dresden besuchte, wo er bei Gussmann, Bantzer und bei dem Lübecker Gotthardt Kuehl studierte. ? In Berlin, wohin er 1903 übersiedelte, fand der junge Maler die lebendige geistige Atmosphäre, in der sein eigenes

Werk in der Abkehr von monumentalem Historismus und in der Entdeckung neuer formaler Mittel reifen konnte. Ohne sich einer der herrschenden Moderichtungen zu verpflichten, ist Pfuhle den Weg gegangen, den ihm sein nahes

Verhältnis zur Natur wies; es fand in seihen Landschaften-, und Pferdeblldern seither ein Leben lang beredten Ausdruck.

Nach fünfjähriger Lehrtätigkeit an der Städtischen Kunstgewerbeschule Charlottenburg wurde er 1910 an die Technische Hochschule in Danzig berufen. In seinem hochgelegenen Atelier mit dem Blick bis Neufahrwasser und weit hinaus ins Meer, ist die Mehrzahl jener Gemälde entstanden, die Pfuhles Namen zu einem festen künstlerischen Begriff gemacht haben. Oft saßen seine Schüler (zu denen so namhafte wie die Architekten und Städtebauer Wilhelm Ohm und H. B. Reichow sowie Richard Tüngel gehörten) im Atelier, während Pfuhle porträtierte oder eines seiner Danzig-Bilder schuf.

Auf den Gütern West- und Ostpreußens und an der nahegelegenen Meeresküste fand der Maler die edlen Pferde, denen er dauerhafte Wirklichkeit im Bilde verleihen konnte, weil er Anatomie, Rassen und Gangarten der Tiere kennerisch erfaßt hatte.

Als Porträtist aber hat. Fritz Pfuhle namhafte Persönlichkeiten gemalt; schon 1909 hat das Wallraf-Richartz- Museum in Köln das Ölbild "Die Mutter" erworben ? ein Beweis dafür, wie früh die Bedeutung des nun in biblischem Alter stehenden Künstlers erkannt worden ist.

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