Beide U-Boote durch Seebeben zerstört?Auch von der ?Minerve fehlt jede Spur

Kaum noch Hoffnung für 121 Seeleute

Toulon / Tel Aviv / Hamburg, 29. Januar Trotz rauher See und stürmischer Winde geht seit heute früh im Mittelmeer die Suche nach dem seit vergangenen Donnerstag vermißten israelischen U-Boot "Dakar" und dem seit Sonnabend ebenfalls überfälligen französischen U-Boot "Minerve" unvermindert weiter. Die Hoffnung auf Bergung der sich an Bord der Schiffe befindenden 121 Seeleute schwindet stündlich. Mann starken Besatzung zur gleichen Zeit unterging, als ein neues starkes Erdbeben in Sizilien am Donnerstag fünf Menschen tötete. Das französische U-Boot "Minerve", das 52 Mann an Bord hat, ist am Sonnabendmorgen im westlichen Mittelmeer nicht wieder aufgetaucht. Die beiden Übergangsstellen liegen rund 2500 Kilometer (Luftlinie) von einander entfernt. Die "Dakar" wird südöstlich von Zypern gesucht. Die "Minerve" soll rund 200 Seemeilen vor Toulon untergegangen sein. In der Nähe der letzten vermuteten Position des französischen U-Bootes sind gestern öllachen auf der See treibend entdeckt worden. Von seiten der Marine wird allerdings vor voreiligen Schlußfolgerungen gewarnt, da Ölflecken im Mittelmeer häufig seien. Der letzte Funkkontakt mit der ?Mi-

Es muß befürchtet werden, daß die beiden Kriegsschiffe in einer Tiefe liegen, aus der es keine Rettung mehr gibt. Die Vermutungen verdichten sich, daß sowohl die "Dakar" als auch die ?Mi-

Eigener Bericht - SAD - dpa - ap - upi nerve" in Seegebieten gesunken sind, in denen die Meerestiefe rund 1800 m oder mehr beträgt.

An der großen Suchaktion nehmen auch heute wieder Schiffe und Flug- '*6RIKHENIAND

zeuge aus Frankreich, Israel, England, USA, Griechenland und der Türkei teil. Sowjetische Marine-Einheiten, die in letzter Zeit im östlichen Mittelmeer gesichtet wurden, beteiligen sich nicht an der Suche.

Während auch heute wieder die in Frage kommenden Seegebiete des Mittelmeers (siehe Karte) genau nach Ölflecken oder Rettungsbojen abgesucht werden, wird in Israel und in Frankreich versucht, die Ursache der möglichen Katastrophe zu finden. Bereits am Sonnabend betonte ein Militärsprecher in Tel Aviv, es gebe keine Anzeichen dafür, daß die vermißte "Dakar" versenkt worden oder einem Sabotageakt zum Opfer gefallen sei. Auch in Frankreich wird ein Gewaltakt für ausgeschlossen gehalten.

Heute früh ist in Toulon von Marine- Experten eine neue Theorie in der Diskussion um die Ursachen der beiden Untergänge aufgestellt worden: Möglicherweise haben Seebeben das Verschwinden der "Minerve" und der "Dakar" verursacht.

Die Experten weisen darauf hin, daß das israelische U-Boot mit seiner 69

nerve" bestand am Sonnabendmorgen um acht Uhr. Der Pilot eines U-Boot- Suchflugzeuges teilte dem südöstlich von Toulon getauchten U-Boot zu dieser Zeit mit, daß er wegen des schlechten Wetters auf seinen Stützpunkt zurückkehre. Die "Minerve" bestätigte den Eingang des Funkspruchs. Seitdem bestand keine Verbindung mehr zu dem U-Boot.

In Israel schlägt der letzte Rest von Hoffnung allmählich in Niedergeschlagenheit um. Die "Dakar" hätte, wie inzwischen mitgeteilt wurde, bis gestern abend getaucht fahren können. Der Sauerstoffvorrat ist nach Ansiebt der Marine-Fachleute jetzt verbraucht.

In Toulon wird darauf hingewiesen, daß die ..Minerve" über einen Sauerstoflvorrat verfügt, mit dessen Hilfe es unter Umständen ebenfalls mehrere Tage untergetaucht bleiben könnte. Besorgnis löst allerdings aus, daß keine Spur einer Boje gefunden wurde, die ein U-Boot im Notfall zur Oberfläche schikken soll. Die Rettungsboje ist mit Funkausrüstung versehen und würde der Suchflotte Hinweise über den Verbleib des Bootes liefern können.

Der Marine-Kommandeur von Toulon, Bcaufort, äußerte gestern abend die Befürchtung, daß der Druckkörper des französischen U-Bootes möglicherweise ein Absinken in zu große Tiefe nicht ausgehalten habe und zerborsten sei. Die "Minerve" soll bis auf 510 m tauchen können.

Die ..Minerve", die im getauchten Zustand eine Wassermenge von 1040 Tonnen verdrängt, wurde 1964 in Dienst gestellt. Das 58 m lange und 18 Knoten schnelle Boot ist mit 12 Torpedoabschußrohren ausgestattet. An Bord befinden sich 52 Mann.

Die "Dakar" lief vor 25 Jahren als "Totem" der britischen Kriegsmarine vom Stapel. Es hat eine Wasserverdrängung von 1505 Tonnen. Es wurde im November 1967 von Großbritannien der israelischen Marine übergeben. Besatzung: 69 Mann.

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