In Berlin: Beat-Generation pfeift Beat-Oper aus

Wie im LDS-Rausch geschaffen

In der Beat-Oper links: Hans Hass jun. als Robinson und Magda von Arent als Sunella. Rechts: David Garrick als Mutant Alpha Fotos: heinz köster

dort mit Vorliebe nackte Mädchen, die Bewohner üben sich in bizarr-orgiastischen Riten. Die Blumen sind stark

In Berlin wurde im "Theater des Westens" die "erste Beatoper der Welt" aus der Taufe gehoben. Ein pfeifendes, buhendes, lachendes, schimpfendes und ironisch applaudierendes Publikum bereitete dem Werk ein Begräbnis dritter Klasse. Es war die Beatgeneration selber, die das Werk zunichte lachte: Nie zuvor hatte man im Parkett des Hauses in der Kantstraße so viele popfarbene Miniröcke, extravagante Haarschnitte und skurrile Frisuren gesehen. Die Beatgeneration war gekommen, sich selber zu feiern und feiern zu lassen.

Sie war vergeblich gekommen, denn das Werk, eine gemeinsame Arbeit der drei Berliner Bühnen Möbius, mit dem Titel "Robinson 2000" gibt für eine solche Selbstbestätigung keinerlei Anlaß. Es wirkt ungefähr so, als wäre es von einer Gruppe im LSD-Rausch rasch geschaffen worden. Dramaturgie, Logik und Psychologie sind von der Bühne verbannt; der Kalauer verdrängt den Witz, Werbeslogans wollen als Pointen begriffen werden.

Was eigentlich auf der Bühne geschah, dürfte nicht einmal den 40 Mitwirkenden, geschweige denn den Zuschauern restlos klargeworden sein. Die Handlung, soweit eine Handlung überhaupt aus der Totalkonfusion des Textbuches exzerpiert werden kann, stellt sieh etwa so dar: Robinson 2000, ein Robinson des Science-fiction-Zeitalters, ist. auf einer Reise durch die "transzendente Dimension" auf einen ?Psychoplaneten' verschlagen worden. Auf diesem Planeten herrschen seltsame Sitten. Man verspeist alkoholhaltig.

Robinson erwirbt auf dem Planeten die Gunst eines schönen Mädchens, das den Namen "Merlins Auge" führt. Sein Versuch, Merlins Auge mit Hilfe einer Gruppe von Wissenschaftlern aus der transzendenten Dimension in den guten alten dreidimensionalen irdischen Raum transmittieren zu lassen, mißlingt jedoch, und darüber ist er begreiflicherweise ungehalten. Im Spiel sind ferner ein Aztekenschatz und zwei miteinander rivalisierende Forscherteams. Das ist alles, was sich zum Libretto des sonderbaren Opus sagen läßt. Gerd Möbius hat den Szenenwirrwarr in eine hübsche, wenn auch keineswegs aufregende Beat-Musik getaucht. Die Voodoos, eine prominente Beat-Band, nahm diese Musik zum Vorwand, im "Theater des Westens" ein erbarmungsloses Trommelfellmassaker zu veranstalten. An der Ausstattung und an der Besetzung war nicht gespart worden, aber "Mister Appelbee", David Garrick, Hans Hass jun., Peter Horten, Marion Litterscheid und die anderen Darsteller sangen und spielten auf verlorenem Posten, quälten sich mühselig durch die Verschrobenheit der Handlung und trugen ihre Haut und ihre Stimmbänder für eine Sache zu Markte, die im Grunde nicht die ihre war. Was auf der Bühne in der Kantstraße in Szene ging, war keine Beat-Oper und noch nicht einmal ein Science-fiction-Happening. Es war ein schlimmer Reinfall. HELLMUT KOTSCHENREUTHER

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