Mehnerts Rechnung ging nicht auf / Hamburgs ?Intimes Theater " hat neuen Chef

Ein Fabrikant wollte Theater spielen

So platzte der Traum vom Bühnen-Imperium

Von MATHILDE KOHLER, Leiterin unterer suddeutschen Redaktion

Was ist geschehen? Mehnert war versessen auf zentral gelenkte Produktionen. Dazu brauchte er Theater. Er war kein Ankauf er, er pachtete sie. In Hamburg maehte er mit dem "Intimen Theater" an der Landwehr den Anfang. Nachdem Heinz Mehnert in München das Tournee-Theater "Die Schaubühne" übernommen hatte, das Theater in der Leopoldstraße und in der Brienner Straße in Griff bekommen hatte, wollte

er seinen Ring privater Theater auch auf Berlin, Düsseldorf, sogar auf Österreich und die Schweiz ausweiten.

Die Rationalisierungs-Rechnung sah so aus: Im Theater in der Brienner Straße gibt es so viele Probenräume, daß Mehnert hier zentral seine Produktionen vorbereiten wollte. Von München aus sollten

Heinz Mehnert dann die EnsemD i es auf die Mehnept-Theater verteilt werden. Aber die Rechnung ging nicht auf.

Es begann bei der "Schaubühne". Nach Mehnerts Darstellung entsprachen die Bedingungen, unter denen er am 31. März das Tournee-Theater in München übernahm, nicht den Tatsachen. "Die Bilanzen haben nicht gestimmt." Mehnerts Steuerberater hat diese Bilanzen erst am 7. Juni geprüft und ist der Ansicht, daß schon die Verkäufer am 31. März den Konkurs für dieses Theater hätten anmelden müssen. Mehnert tat es am 9. Juni.

Ein schlimmes Defizit entstand dann für Mehnert im Theater an der Leopoldstraße: 160 000 DM in den letzten zehn Wochen. Er gibt die Schuld dem Münchener U-Bahn-Bau. Wasserlachen und Baulöcher vor dem Theater hätten vor allem weibliche Theaterbesucher davon abgeschreckt, überhaupt aus dem Auto auszusteigen. Und da die Stadt München ihm bisher keinen Schadenersatz angeboten habe, müsse er dieses Haus schließen.

Mehnert gibt sein Büro in München auf und will künftig von seinem Wohnsitz in Baden-Baden aus seine neuen Theaterträume realisieren. Er will sich nach dem ersten Mißerfolg durchaus nicht von Muse Thalia abwenden. Er will als Privatmann, frei von der Last gepachteter Häuser, Produktionen auf die Beine stellen und sie an Theater verkaufen. Er will diese Produktionen in München, Berlin oder Hamburg er-r arbeiten, selbst den Regisseur, die Schauspieler, den Bühnenbildner bestimmen.

Im Interesse seiner Gläubiger (das sind hauptsächlich Druckereien) hofft Mehnert, daß die Stadt München den Schuldberg von 300 000 DM bezahlen wird. Nach seinen Angaben haben die Schauspieler ihre Gagen bis zur letzten Aufführung am letzten Sonnabend ausgezahlt bekommen. Zwar behaupteten viele nunmehr, daß sie große Filmverträge für Juli und August gehabt und abgesagt hätten, aber solche Ansprüche müßten Schauspieler auf dem Rechtswege geltend machen.

Der inzwischen nach Hamburg zurückgekehrte bisherige Mehnert- Partner und Spielleiter Curt Timm erklärte uns heute morgen, daß er das Intime Theater an der Landwehr ab sofort in eigene Regie übernehme, so daß bis zu den bevorstehenden Theaterferien keine Unterbrechung der Aufführungen von "Ein Abend zu zweit" eintreten werde. Timm führt bereits Verhandlungen mit einer potenten Hamburger Persönlichkeit, die den wirtschaftlichen Hintergrund seines Privattheaters absichern sollen, dem bisher keinerlei Zuschüsse der öffentlichen Hand zu Verfügung stehen.

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