Blende auf für Amateurfilmer

Silvester- Party mit der Kamera

Silvesterfeiern sind Feste der Farben. Quirlendes Leben mit Feuerwerk und Knallbonbons, Ausgelassenheit und Übermut. Silvester ist die Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten für den Freund des Kunstlicht- und Color-Films. Selbst der Anfänger kann um Mitternacht, wenn Leuchtkugeln und Raketen den Himmel illuminieren, ein Meisterwerk zustande bringen.

Ein Drehbuch (sonst so nützlich) ist überflüssig. Allzu arger Szenenwirbel läßt sich später beim Schneiden mühelos ausmerzen. Wer keinen rechten Anfang für seinen Film weiß, kann ihn sogar später nachdrehen ? mit einer einfachen Wunderkerze. Aber bitte, bei der Aufnahme dicht heran.

Ein Tip: Wenn sie mit dem 16er-Gang filmen, ist das völlig in Ordnung. Soll aber bei der späteren Filmvorführung alles temperamentvoller, lebhafter gehen, wählen Sie ruhig einmal den 8er-Gang. Mit der Belichtung keine Sorgen: Blende auf, soweit wie möglich!

Nichts wichtiger als Licht

Lassen Sie die normale Zimmerbeleuchtung ruhig brennen. Nichts ist bei Innenaufnahmen wichtiger als Licht. Das werden Sie spätestens feststellen, wenn Sie die tanzenden Paare der Silvesterparty im Schein der bunten Lampions aufnehmen sollen. Aber ohne eine starke Prise Zusatzkunstlicht geht es nicht. Lampen mit hoher Leuchtkraft, z. B. die nur bleistiftgroßen Halogen- Leuchten, fangen das Treiben auf einer Tanzfläche bequem ein. Bei Nahaufnahmen das Licht etwas bremsen. Man vermeide, das Gesicht einer Tänzerin frontal anzuleuchten. Das Bild wird zu grell, das Gesicht zu flächig. Man richte daher die Leuchte etwas gegen den dunklen Fußboden.

Überhaupt empfiehlt es sich, die Lampe immer etwas seitwärts von der Kamera abzudrücken. Schon- Äfft man die gewünschte Schattenmodulation. ""Ob"greich Halogen-Leuchten auf Kunstlichtfilme abgestimmt sind, kann man sie übrigens auch mit Tageslicht-Farbfilmen kombinieren. Dazu muß man allerdings ein "bläuliches Konversionsfilter" vor das Kameraobjektiv setzen. Dieses Filter ist nicht zu verwechseln mit einem Blaufilter, das nur bei Schwarzweißfilmen angewandt werden darf. Hat man einen Kunstlicht-Farbfilm eingelegt, ist man umgekehrt nicht unbedingt ans Haus gefesselt. Setzt man z. B. ein "lachsfarbenes Konversionsfilter" vor das Objektiv, kann man mit dem Kunstlichtfilm auch ohne weiteres Außenaufnahmen machen.

Mit "Gags" nicht sparen

Bei einem Silvester-Film sollte man mit einigen Gags nicht sparen. Lassen Sie der Kamera die Freiheit zum Albernsein. Verkanten Sie hin und wider. Schnappschüsse mit schiefgestellter Kamera sind reizvoll.

Vor die Schaukelszene setzt man am besten die Großaufnahme eines sektfröhlichen Gastes. Er nimmt einen tiefen Schluck und schaut etwas "gläsern" zur Tanzfläche hinüber. Die Kamera schwenkt ebenfalls zu den Paaren hin und beginnt (am besten mit erhöhter Geschwindigkeit, etwa mit dem 24er- Gang) zu schaukeln. Der Zuschauer hat später den Eindruck, der Sektfröhliche sieht die bunte Welt vor sich bereits in munterer Dünung.

Etliche Einblendungen können den Film erheblich würzen. So sollte z. B. das Überschäumen des Sektes (Nahaufnahme!) so wenig fehlen wie das Aufreißen des Knallbonbons oder das Vorwärtsspringen des großen Uhrzeigers auf die Zwölf.

Das alles kann aber später in aller Ruhe genauso gut nachgedreht werden wie etwa das Ende des Films. Dieses Ende könnte etwa so aussehen: Farbiges Konfetti weht auf die Tischplatte und bildet langsam das Wort: "Ende." Ein ganz einfacher Trick. Die Kamera nimmt die Szene der fallenden Konfettipünktchen auf. Anschließend muß die Kamera umgeschaltet werden auf den Einer-Gang. Jetzt wird Stück für Stück das Konfetti so arrangiert, daß am Schluß das Ende-Wort zu sehen Ist.

Hierzu braucht man allerdings viel Zeit. Zentimeter um Zentimeter muß man die Konfettischeibchen in ihre Endposition bringen. Nach jedem Zentimeter Weiterrücken heißt es: Zweimal auf das Auslöseknöpfchen drücken. Faustregel: Rücken, zweimal drücken, Rücken, zweimal drücken usw. Selbst in Hollywood kommt man um diese Mühe nicht herum. G. G.