Gerda von Uslar in Bern einem Herzanfall erlegen

Ein reiches Leben ist erloschen

Unmittelbar in Verhandlungen für eine große neue Ubersetzungsaufgabe erfaßte sie der Tod: Gerda von Uslar starb in ihrem Hotelzimmer in Bern, nachdem sie in Gegenwart einer Vertreterin des Schweizer Scherz-Verlages einen Herzanfall erlitten hatte. Sie ist nur 57 Jahre alt geworden. Allen, die sie kannten, ist es unbegreiflich, daß diese Frau, die eine unerschöpfliche geistige und körperliche Vitalität zu haben

schien, nicht mehr nach Hamburg zurückkehren wird.

In Hamburg hatte Gerda von Uslar, als Tochter eines Arztes in Bad Elster geboren, vor dem zweiten Weltkrieg ihr Sprachstudium beendet. Hier arbeitete sie am Ibero-Amerikanischen Institut, und hier heiratete sie auch. Als Lektorin war sie am Deutschen Schauspielhaus Hamburg tätig, und wurde dann Dramaturgin am damaligen "Jungen Theater". Ende der vierziger Jahre machte sie der NDR zur Hörspieldramaturgin. Später ging Gerda von Uslar in die Aufnahmeleitung und Regie des Hörfunks über. Neben ihrer Tätigkeit beim Funk machte sie sich einen Namen als anerkannte Übersetzerin und Bearbeiterin von Theaterstücken, Hörspielen und Büchern aus der französischen, englischen, spanischen und italienischen Sprache ins Deutsche.

Gerda von Uslar war immer "tätig", immer bereit aufzunehmen und weiterzugeben, ein Mensch, allen künstlerischen Dingen mit ganzem Herzen und doch mit kritischem, wägendem Verstand zugetan. Reisen führten sie in die ganze Welt, mit herrlichen Aufnahmen kehrte sie jedesmal zu uns zurück. Ihre Reiseberichte hatten im Programm des NDR einen festen Platz. Im Oktober wollte Gerda von Uslar nach Japan fliegen. Der Tod hat es anders gewollt, er löschte dieses reiche Leben so früh, so unvermutet aus. ilse höger

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.