Thiedemann: "Der Dicke war mehr als ein Pferd"

Am Freitag morgen ist der 23jährige Holsteiner Wallach Meteor ? wie das Hamburger Abendblatt bereits berichtete ? in seiner Box in Elmshorn eingegangen. Das erfolgreichste Springpferd der Welt (150 Siege, rund 180 000 DM Gewinnsumme) deckt unweit seines Stalles auf dem Gelände der Reit- und Fahrschule der Rasen.

Meteor hatte längst bevor er 1961 in Aachen seinen letzten Parcours ge. gangen war, legendären Ruf. Meteor war als schwergewichtiger Holsteiner schon von Figur von imposanter Erscheinung. Der Zeiger der Waage blieb erst bei zwölf Zentnern, für kurze Zeit sogar einmal erst bei 13 Zentnern, stehen. I n zwölf Turnierjahren hat Meteor Mil- ? Honen von Zuschauern auf fast allen europäischen Turnierplätzen, in den USA und in Kanada mit seinem großen Springvermögen begeistert. Erfolge reihten sich an Erfolge. Er hatte mit Fritz Thiedemann seinen Meister und besten Freund gefunden. Wo sie auftraten, da ging ein Raunen durch die Menge. "Der Fritz und der Dicke" starteten. Jeder Veranstalter schätzte sich glücklich, wenn er dieses Paar auf seiner Teilnehmerliste hatte. Das bedeutete. daß die Zuschauer nicht ausblieben. Qiese einmalige Popularität von Me- "teor rechtfertigt es, sich dieses Pferdes zu erinnern, nachdem es nun an Altersschwäche eingegangen ist. Es hatte Bewunderer im In- und Ausland, und sie alle werden verstehen, wenn Thiedemann, der am Freitag sofort von Heide nach Elmshorn eilte, um seinem vierbeinigen Kameraden den letzten Gruß zu entbieten, von Meteor sagt: "Er war mehr als ein Pferd!"

Mit ihm, den nicht nur Springvermögen und eine strotzende Gesundheit auszeichneten, hatte Thiedemann seine größten Erfolge. Deutsches Spring- Derby, Bronzemedaille in Helsinki, Gold in Stockholm und Rom, King George Gold Cup vor der englischen Königin, Europameisterschaft, Nationen-Preise, Großer Preis von Aachen, Preis von Deutschland, Großer Preis der Bundesrepublik, Siegerpreis in Rom ? das waren Glanzpunkte seiner Laufbahn.

Und mit den Erfolgen wuchs die Anhänglichkeit in der Öffentlichkeit. Aus allen Landen der Bundesrepublik, aus der Zone und auch aus dem Ausland erhielt Meteor höchstpersönlich Post. Oftmals nur mit "An Meteor, Deutschland" adressiert. Er hätte noch drei Leben haben können, um die Mengen an Zucker und Mohrrüben zu vertilgen, die sich in Paketen und Päckchen in der Futterkammer oder bei Thiedemann zu Hause stapelten.

Straßen, ©ine dänische Zeitschrift, eine Rosensorte aus dem Elmshorner Blumenzuchtgebiet ? sie alle trugen seinen Namen. Sein Denkmal steht schon seit Jahren vor dem Landwirtschaftsministerium in Kiel. Eine Marschkomposition wurde ihm gewidmet, Prüfungen nach ihm benannt.

Gewiß, nur ein Pferd. Aber welch' ein Pferd! Ein Pferd, an das sich noch über Jahrzehnte Menschen erinnern werden, die den braven Meteor im Kampf erlebt oder in seiner Box besucht haben. Mit einem Strauß der nach ihm benannten Rosen auf dem Hals ruht er aus vom Sport und einem Pferdeleben, in dem er nur von Hilfe und Freunden umgeben war. Carl Friedrich Mossdorf

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