Das Hamburger Abendblatt gratuliert:Die "Majestätische Aussicht" - Harburgs bekannte Ausflugsgaststätte

Ein Lokal wird hundert Jahre alt

Die "Majestätische Aussicht", Harburgs bekannte Ausflugsgaststätte am Ehestorfer Weg in EiBendorf, wird am Sonntag, 1. Mai, 100 Jahre alt. Viele Geschichten ranken sich um das historische Lokal, das seinen Namen König Georg II. von Hannover verdankt. Der König höchstpersönliche soll nämlich die Stelle am Rande der Haake, an der später die Gaststätte errichtet wurde, anno 1728 "majestätische Aussicht" genannt haben.

Die Familie Martens stammt von zwei Eißendorfer Bauernhöfen. Den Großvater des heutigen Besitzers wurmte es schon als Bauernjungen, daß er nicht wie die älteren Brüder mit blanken Knöpfen am Rock zum Tanz gehen durfte. Ein strenger Brauch räumte dieses Privileg nur den Hoferben ein. Damals mag sich der kleine Hermann vorgenommen haben, daß "er es ihnen schon zeigen" werde.

Nach vielen Schwierigkeiten erhielt der Häusling, auch Abbauer genannt, vom hannoverschen königlichen Amt in Harburg die Erlaubnis, "unter Ausschluß von Branntewein und anderen Spirituosen Getränken, Speisen und Getränke, namentlich Bier, Kaffee und Thee dem Publicum zu verabreichen". Einige Jahre später wurde er zum größten Steuerzahler Eißendorfs.

Lange vorher hatte er als Junge schon seinen Geschäftsgeist bewiesen. Seine beiden Schäferhunde "Strom" und "Wasser" waren dabei treue Gehilfen. An der Landscheide in Moorburg, einer Exklave der Hansestadt, patrouillierten Zöllner. Die beiden Hunde waren abgerichtet, die Posten zu verbellen. Gaben "Strom" links und "Wasser" rechts Laut, dann wußten die Schmuggler, daß sie genau in der Mitte mit langen Stangen wie Stabhochspringer über den vier Me-

Frida Martens mit dem ?historischen

Leinen"

ter breiten Grenzgraben setzen mußten. Hermann Martens kassierte dann für die beim Eißendorfer "Volkssport" geleistete Hilfe.

Die ausgleichende Gerechtigkeit sorgte jedoch dafür, daß die Familie Martens einmal ungerechtfertigt Zoll zahlen mußte. Urgroßmutter war aus dem Hannoverschen mit einem Ballen Leinen angereist, den sie selbst gesponnen und gewebt hatte. Sie fuhr jedoch aus Versehen bis Hamburg durch. Auf dem Rückweg nach EiBendorf mußte dde alte Dame für das Leinen Zollgebühren entrichten. Das empörte die Martens' so, daß sie beschlossen, den Stoff nicht anzurühren. Er ist bis heute wie ein Familienheiligtum gehütet worden, hgs.

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Tilly Denter, vielen älteren Lesern als "La belle TUly" bekannt, Star in der Welt der Music-Halls und Varietes, wird am 30. April vierundachtzig Jahre alt Die einst berühmte Tänzerin wohnt heute in einem Heim im Haus Fernsicht, 2217 Kellinghusen. Sie trat mit akroba- Geburtstag feiert am 29. April: Oswald Arlt, Eimsbüttel, Schwenckestr. 45 (70 Jahre); am 30. April feiern: Johanna Krambeck, Hamburg 34, Horner Landstr. 407 (85); Marie Schulz, Hamburg 71, Ole Wisch 2 (84); Ernst Denker, Garstedt, Ohechaussee 77 (82); Anna Asmus, Hamburg 19, Bei der Apostelkirche 15 (80); Gustav Sempert, Bramfeld, Kienholt 38 ( 80); Heinrich Eilerbrock, Winterhude, Heidberg 2 (75); Maria Zielinsky, Hamburg 54, Vehrenkampstr. 20 (69). *

Goldene Hochzeit feiern am 30. April: Johann Härtung und Frau Marie, Hamburg 90, ölschlägerweg 3.

40 jähriges Dienst Jubiläum feiert am 29. April: Paul .Meier, Regierungsoberinspektor, bei der Besoldungs- und Versorgungsstelle.

tischen Tänzen und Liedern in vielen Sprachen hervor,; in Hamburg sah man sie oft im Hansa-Theater und in der ehemaligen "Flora" am Schulterblatt.

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Ernst Schinkel, Hamburg 26, Am Elisabethgehölz 9, wird am 29. April 80 Jahre alt Seine Frau Elisabeth feiert einen Tag später, am SO. April, ihren 79. Geburtstag.

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