Statthalter ? für wen?

Neun Monate hat man ihm Zeit gegeben, sein vom Bürgerkrieg zerrissenes Land auf einen neuen Anlauf zur Demokratie vorzubereiten. Schon bei Halb"zeit jedoch droht der provisorische Präsident der Dominikanischen Republik Hector Garcia Godoy, zu scheitern' Bereits jetzt fällt es ihm immer schwerer, die blutigen Zusammenstöße in der karibischen Inselrepublik, die Kolumbus einst das "Land Gottes" nannte, zu schlichten.

Die rivalisierenden Fraktionen in Santo Domingo haben sich auf den 44jährigen Bankier erst auf Druck der OAS-Friedenstruppe geeinigt. Den linken Rebellen war Godoy, Sproß einer alten Landbesitzerfamilie, zu aristokratisch und kühl. Die rechten Militärs hielten den Anhänger des gestürzten Reform-Präsidenten Bosch für einen Verräter an der eigenen Klasse.

Der erfahrene Diplomat Godoy, der als Statthalter bis zu den kommenden Präsidentschaftswahlen amtiert, ist immerhin einer Unterstützung sicher: Die Amerikaner halten den einstigen Washingtoner Schüler, obgleich er ihren Abzug fordert, für das kleinste dominikanische Übel. Vielleicht aber hat der fast kahlköpfige Mann, der auch in Krisenzeiten sein gewinnendes Lächeln nicht unterdrücken mag, eigene Vorstellungen von der Verwirklichung seiner demokratischen Jugendtraume.

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