Otto Rohse, Michele Theile und Peter Boll stellen aus

Anregungen aus dem Süden

Goethes "Briefe aus Venedig" boten für den Hamburger Grafiker und Drukker Otto Rohse Anlaß zu 30 ganzseitigen Kupferstichen, die man bis 11. Mai als Sonderausstellung der Buchhandlung Saucke (Paulstr. 1) besichtigen kann. In diesen zartlinlgen, fast filigranhaften Illustrationen verschmelzen sich bekannte architektonische Formen der Lagunenstadt mit arabeskenhaftdekorativer Phantasie. Aus Fragment und Einzelheit erwächst in der Parallelität zu Goethes mitgedruckten anschaulichen Schilderungen eine von geistiger Optik durchdrungene Bildfolge von hoher persönlicher Eigenart. Der flexible Ganzpergamentband, den Christian Zwang schuf und dessen Rücken mit einem Goldtitel des Schriftkünstlers Werner Bunz geziert ist, erschien als Erstdruck der Otto-Rohse-Presse in kleiner Auflage. ? Auch andere Arbeiten Rohses sind in dieser Ausstellung zu sehen. ?

Im "Istituto Italiano di Cultura" (Hansastr. 6) begegnet man erstmals Gemälden von Michele Theile. In ihnen gestaltet der 1935 von deutschen Eltern in Positano geborene, mit Stefan Andres, Kurt Craemer und Werner Gi|}es befreundete Maler von Häuser^belebie Landschaften, die für Süditalien typisch sind. Kubische, einander überschneidende Formen, starke tonale Gegebsätze, <die dufcr" Schatten verbunden w#d*"t sind besondere Merkmale dieser Bilder von Tftelle, der seine Ausbildung in Bremen und München "hielt.

Bevor Peter Boll, der Weitgereiste, sieh erneut naCh Süden wendet, zeigt er bei Apfelstedt & Hornung, wo er sein Atelier hat, Bilder, die er im letzten Jahr malte. Die seinerzeitige "Blaue Periode", mit der er sich überraschend schnell durchsetzte, wurde abgelöst durch eine Hinneigung zu Braun und

Ocker, anderem Landschaftscharakter entsprechend. ? Auch sah man den inzwischen vervollkommneten Entwurf für einen Bildteppich, der für das Foyer der Hamburger Staatsoper bestimmt ist.

c. o. F.

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