Optimismus bei Halbzeit / Splieth segelte mit hohem Fieber

Zwischenbilanz der Segler

Von Jupp wollt

Olympia-Redaktion Hamburger Abendblatt

Enoshima, 16. Oktober

Seit 1936, als der Berliner Dr. Peter Bischoff, der spatere Mann der Sopranistin Carla Spletter von der Berliner Staatsoper, auf der Kieler Förde in der Starbootklasse die Goldmedaille gewann, ist im olympischen Kampf kein deutscher Segler mehr an der Spitze gewesen. Jetzt aber, in der Bucht von Enoshima, einem wahren Segler-Paradies, scheint das zu glücken, was, man Jahre hindurch vergeblich erhoffte.

Bei "Halbzeit", nach vier von acht Wettfahrten (die schlechteste wird am Ende gestrichen), sind nicht allein die Chancen, eine Goldmedaille In der Klasse der Finn- Dingis durch Europameister Willi Kuhweide aus Berlin zu holen, ausgezeichnet; auch der Kieler Bruno Splieth liegt bei den Staren mit seiner Bellatrix XIII nur 300 Punkte hinter dem führenden Finnen und Amerikaner an dritter Stelle. Jetzt hat er drei Tage Zeit, um eine schwere Erkältung .auszukurieren. Am Donnerstag brachte Splieth das Kunststack fertig, mit mehr als 39 Grad Fieber ein hervorragendes Rennen zu fahren, das ihn In der Tages- und Gesamtwertung auf den dritten Platz brachte.

Während bei den Drachen die Rostocker Crew Peter Ahrendt, Ulrich Mense und Wilfried Lorenz am Donnerstag endlich ihr seglerisches Können ausspielte. Tagesbester wurde (Gesamtwertung dritter), ist das Münchner 5,5-m-Boot Vom Pech verfolgt. Fritz Kopperschmidt flog nach dem Tod seines Vaters nach Hause. Als Ersatzmann Uwe Mares in das Boot stieg, kam gleich in der nächsten Fahrt der Mast herunter.

Nur gesamtdeutsch Ist bei den Seglern nicht mehr gefragt. Seit der Entscheidung der internationalen Jury, Willi Kuhweide und nicht der Zonenmann Dehmel starte bei den Finn-Dingis, ist das Verblndungt-Thermometer unter Null gesunken. Als die Jury die Entscheidung 'für den Start von Kuhweide traf, die Zone die Zurückziehung des Berliners "forderte", sagte der Österreicher Raudaschl wörtlich: "Wenn ihr das macht, verdient ihr Schläge, vergebt ihr die sicherste Goldmedaille, die Überhaupt zu haben ist."

Willi Kuhweide spricht noch nicht von seinem möglichen Sieg. Er zeigt immer wieder auf einen Mann, auf den Amerikaner Peter John Barret, der jetzt 1159 Punkte zurück auf dem zweiten Platz liegt. Beide lassen sich gegenseitig nicht aus den Augen. "Wenn das Wetter ein wenig hilft", meinte Kuhweide, der wie alle anderen deutschen Segler viel Wind liebt, "dann könnte es glücken." Auch Bruno Splieth ist endlich optimistischer. "Wind, Wind", sagte er ebenfalls, "dann läuft der Kahn schon."

Seit heute morgen sind alle dabei, ihre Boote zu Überholen, kleine Sohftden zu beseitigen. "Mast und Schootbruch" ? die deutschen Segler können es in Enoshima gebrauchen.

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