Der Trick einer temperamentvollen Griechin / Es ging um 2900 DM

Polizei fing den ungetreuen Liebhaber gleich in Köln

. r. st. Gifhorn, 31. Dezember

-"Simonides hat mich schrecklich bestohlen", teilte eine junge, vom Schmerz scheinbar völlig aufgelöste Griechin der Polizei in- Gifhorn mit. Sie war spät abends auf der Polizeiwache erschienen, sprach nur gebrochen deutsch, und die Anzeige, die sie gegen Simonides erstattete, mußte der Polizeibeamte selbst niederschreiben. Dafür waren die An gaben über den Dieb überraschend präzise.

Die Griechin konnte nicht nur seine Größe bis auf den Zentimeter genau angeben, sie wußte auch, daß er dunkle Haare mit einer linksseitigen recht widerspenstigen Tolle, hellblaue Augen, rechts oben eine Zahnlücke nnd unter der Unken Schulter genau zwei Handbreit darunter, ein Muttermal hatte, das zudem noch wie ein Kastanienblatt aus sah

Außerdem besaß Simonides 2900 Mark, die ihr gehörten. Das Geld hatte sie sich in den letzten zwei Jahren als Gastarbeiterin zusammengespart, und es war für ihre Aussteuer bestimmt.

"Mit dem Geld ist er gereist nach Köln", brachte sie unter Tränen mühsam hervor. "Um sich zu amüsieren mit anderen Mädchen."

Allmählich stellte es sich heraus, daß der nach Köln abgedampfte Simonides ihrem Herzen ziemlich nahegestanden und dieses mindestens ebenso ramponiert zurückgelassen hatte wie ihre Geldtasche. Immerhin wußte sie sogar den Zug anzugeben, mit dem Simonides über Hannover nach Köln gefahren war. Schon in zwei Stunden würde er dort ankommen. "Und dann, Herr Beamter, wie ich Simonides so gut kenne, ist er hops und mein Geld dazu."

Die Gifhorner Polizei zögerte nicht lange. Sie gab Simonides' Steckbrief über Fernschreiber nachyjföln, und dort erlebte dieser dann eine, für ihn fürchterliche Überraschung. Als er aus dem Zug stieg, wurde er festgenommen. Die allergrößte Überraschung aber für die Polizei gab es am nächsten Tag, als Simonides, von einem Beamten an der Knebelkette geführt, wieder in Gifhorn eintraf und dort der Bestohlerien gegenübergestellt würde.

Mit einem freudigen Aufschrei warf die junge Griechin Simonides, der schon eine Nacht im Kittchen verbracht hatte und ziemlich leidend aussah, beide Arme um den Hals und küßte ihn mit ihrem südländischen Temperament so stürmisch ab, daß' die Beamten um ihren Häftling zu furchten begannen. Als bei dem nun folgenden Verhör die Rede auf die entwendeten 2900 Mark kam, geschah es dann.

Die Griechin winkte mit beiden Händen heftig ab. "Simonides nidit gestohlen, Herr Beamter. Ich nur so gesagt, um ihn zurückholen zu lassen durch Polizei. Ich ihn haben wollte wieder bei mir."

So hatte sie ihn auch wirklich wiederbekommen, ihren Simonides. Nach einem Krach, den sie miteinander hatten, war er davongefahren. Sie aber hatte den raffinierten und darüber hinaus auch strafbaren Trick mit der Anzeige wegen Diebstahls angewandt. Simonides wurde sofort freigelassen. Arm in Arm mit seiner Verfolgerin ging er davon.

Die Kosten für den Transport des angeblichen Diebes Simonides und die Strafe wegen Irreführung der Polizei und Vortäuschung eines Verbrechens, zu der die Griechin vermutlich verurteilt werden dürfte, wollen beide gemeinsam bezahlen.