Schon wieder Explosion in einem Fabrikbetrieb

Alarm in Billbrook / Zum Glück nur zwei Verletzte

Eine schwere Explosion, die zweite innerhalb von drei Tagen, riß letzte Nacht die Bewohner von Billbrook aus dem Schlaf. Mit ohrenbetäubendem Knall flog ein Teil der Kunstharz-Fabrikationsgebäude Synthopol Chemie Dr. Koch & Co. an der Andreas-Meyer-Straße in die Luft.

Zwei Männer wurden schwer verletzt, aber sie schweben seit heute morgen zum Glück nicht mehr in Lebensgefahr. Hunderte Fensterscheiben zerbrachen. Der Sachschaden ist nicht abzusehen. Auch die Ursache steht noch nicht fest. Die Brandermittlungskommission ist heute vormittag am Unglücksort.

Das Unglück geschah um 21.20 Uhr. Eine haushohe Stichflamme schoß empor. Ein dicker, schwarzer Rauchpilz stand über der Fabrik. Die Züge 17 und 8 der Feuerwehr rasten zur Unglücksstelle. Meterhohe Flammen schlugen ihnen entgegen.

Zwei von den fünf Arbeitern, die in diesem Gebäudeteil Nachtschicht hatten, erlitten schwere Verbrennungen. Es sind der 35jährige Chemiearbeiter Heinrich König aus Moorfleet und der 29jährige Laborant Horst Gienke aus Barmbek. Der 33jährige Egon R., der in der Nachbarschaft wohnt, hatte die Schwerverletzten bereits vor Eintreffen der Feuerwehr in seinem Privatwagen ins Krankenhaus Boberg gebracht.

Den anderen drei Arbeitern, die zur selben Schicht gehörten, stand der Schrecken im Gesicht geschrieben. "Wir waren gerade draußen beschäftigt", sagt der 31jährige italienische Arbeiter Giovanni Gelati. "Plötzlich krachte es. Flammen schlugen empor." "Die deutschen Kollegen, die in den Räumen arbeiteten, taumelten uns brennend entgegen", ergänzt der Italiener Domenico Rinollo. "Es war entsetzlich." In allernächster Nähe des Brandortes lagerten Fässer mit Glycerin, Lacken und ölen. Sie wurden sofort unter Wasser gesetzt und abgekühlt. Nach kurzer Zeit war es gelungen, die Gefahr weiterer Explosionen zu bannen und ein Ausbreiten des Feuers zu verhindern.

Entsetzt standen die Arbeiter, die nicht zur Schicht gehörten, die aber den Knall gehört hatten, an der Unglücksstelle. Verzweifelt lief die Frau des Chemiearbeiters König durch das Gelände und fragte, was ihrem Mann geschehen sei.

Die Explosion hat sich im Heizungskeller ereignet, durch den die Gasleitung läuft. Ob ein Gasrohr undicht geworden ist und zur Explosion geführt hat, wird zur Zeit noch geklärt.

"Das Gelände, auf dem sich das Werk befindet, ist als Industriegebiet ausgewiesen", erklärte heute morgen der Leiter des Ortsamtes Billstedt, Hans Rubbert, dem Hamburger Abendblatt. "Es fällt unter die gefährlichen Betriebe, die regelmäßig zu überwachen sind. Das ist auch geschehen."

Die Synthopol Chemie hat bereits im vergangenen Jahr einen Neubau in Maschen errichtet. Dieser Bau hat zu äinem langen Verwaltungsstreit zwischen der Gemeinde Maschen, der Regierung Lüneburg und dem Werk geführt. Die Gemeindeverwaltung hat den Neubau, nachdem er schon begonnen war, abgelehnt, weil keine Baugenehmigung vorlag. Nach Ansicht des Gemeinderates von Maschen wird durch die Produktion die Gesundheit der Bewohner gefährdet. Das Werk arbeite mit Phenol, und Phenol verderbe das Trinkwasser. Außerdem bestünde die Gefahr einer Luftverpestung.

Der Firmeninhaber Dr. Koch holte zwar nachträglich die Baugenehmigung von der Regierung in Lüneburg ein, kann aber dennoch die Produktion nicht aufnehmen, weil die Gemeinde in der vergangenen Woche eine einstweilige Verfügung erwirkt hat, die dem Werk, den Produktionsbeginn untersagt. # URSULA WSfNER

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.