Theater-Notizen

Hannelere Marek ist ein wenig betrübt, weil sie Ida Ehre einen Korb geben mußte. Die Bühnenbildnerin, die im vergangenen Jahr die Szenerie für "Mandragola" in den Kanunerspielen entwarf, muß im April aus privaten Gründen bereits wieder in Amerika sein und kann leider das Angebot, Acharda "Aufrichtige Lügnerin" auszustatten, nicht annehmen.

Ihr Gatte, der Schriftsteller Kurt W. Marek (C. W. Ceram), wird ihr nicht so bald nach Woodstock im Staate New York, dem Wohnort des Ehepaares, folgen können. Er muß aus 18 000 Meter belichtetem Film (der Länge von sechs abendfüllenden Hollywood-Streifen) in monatelanger Arbeit sechs Dokumentarfilme von 40 Minuten Dauer für das Hamburger Fernsehen herausschneiden. Auf den Spuren seines Bestsellers "Götter, Gräber und Gelehrte" hat er rund ums Mittelmeer neuen archäologischen Methoden und Entdeckungen nachgespürt und sich ? den Manuskriptschreiber und Regisseur ? als Erzähler und fotogene Randfigur aus der Jetztzeit selber mit aufs Zelluloid bannen lassen.

Nach fünfwöchiger Abwesenheit von Hamburg mußte Vladimir Ruzdak von Kroatisch wieder auf das Deutsche umschalten. Einen guten Monat lang hatte er an der Oper in Zagreb in seiner Muttersprache gesungen. Er gastierte dort als Posa in "Don Carlos", Luna in "Troubadour", Figaro in "Barbier von Sevilla" und Andrej Bolkonski in Prokofieffs "Krieg ? und Frieden". Nur sein Christus in der Matthäus- Passion, die zum erstenmal in der kroatischen Stadt aufgeführt wurde, brachte einen "Rückfall" in die deutsche Sprache. Seit Donnerstag probt nun George Balanchine mit dem jugoslawischen Bariton in der Titelpartie Tschaikowskys "Eugen Onegin" an der Staatsoper (Premiere 27. Februar). Aber damit beginnt für Ruzdak erst eine neue Reihe großer Partien im Opernhaus an der Dammtorstraße. Schon im März geht Walter Felsenstein mit ihm als Rigoletto an neue Probenarbeit (Premiere 13. Mai).

Moderne Sängerinnen brauchen keine Schlankheitskuren zu machen. Gesang ist bei ihnen mit genügendem Ausgleichssport verbunden. Zum Beispiel fährt Gisela Litz morgen nach Innsbruck. Eine Schallplattengesellschaft möchte dort Verdis "Aida" mit ihr als Amneris, Hilde Zadek von der Wiener Staatsoper in der Titelpartie und Ernst

Gisela Lltx

Kozub (Frankfurt a. M.) als Radames aufnehmen. Um nun aber von Tirol zu ihrem für den 11. Februar angesetzten Opernkonzert in München zu gelangen, muß Frau Litz am 9. Februar die Wendemarke Hamburg berühren. An diesem Tage hat sie hier in "Gianni Schicchi" die Zita zu singen. Erst am nächsten Morgen darf sie abermals gen Süden starten.

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Gitta Alpar, Richard Tauber und Max Hansen waren einige seiner Stars, Rosita Serrano begann mit 25 Mark, Renate H"lm mit 8 Mark Tagesgage bei Heinz Hentschke, dem ehemaligen Operettenboß von Berlin, Direktor des Metropol-Theaters und Admiralspalastes. In dieser Woche war Hentschke einige Tage in Hamburg, um seinen Fernsehfilm "Wiedersehn macht Freude" fertigzustellen, der Melodien und Szenen aus "Maske in Blau" und "Die oder keine" bringen wird, zwei Werken der leichten Muse, zu denen er selber die Libretti geschrieben hat ? wie übrigens auch zu "Hochzeitsnacht im Paradies", dem augenblicklichen großen Erfolg in Wien mit Johannes Heesters.

Der 67jährige Theaterviann ist voller Pläne. Jüngst stand er mit Rosita Serrano und Paul Westermeier im Casino-Theater am Zoo als Schauspieler auf der Bühne, und noch in diesem Jahr hofft er, in Berlin wieder Operetten in eigener Regie und Verantwortung herausbringen zu können. So schön wie ehedem, als insgesamt 60 Millionen Zuschauer seine großartigen Inszenierungen bestaunten. *

Ein treuer Helfer im niederdeutschen Hörspiel, Heinz Roggenkamp, hat sich zur Ruhe gesetzt Mit dem 1. Februar ging er nach 30jähriger Zugehörigkeit zum Rundfunk in Pension. Damit endet eine mehr als 50jährige Laufbahn als Schauspieler und Operettenregisseur. Nur der Hörspielautor Roggenkamp wird vielleicht noch manchmal zu Worte kommen. Am Montag begeht er übrigens seinen 71. Geburtstag. Die herzlichsten Glückwünsche!

In den Hamburger Kammerspielen begann Gerhard Klingenberg mit den Proben für Miliard Lampells "Mauer". Die erste Bühnenregie des gebürtigen Österreichers, der vergangenen August Ost-Berlin verließ. Die Kammerspiele sind für einige Monate sein "Zuhause". Ida Ehre ' verpflichtete ihn auch noch fttr ihre nächste Premiere, Marcel Acharda "Aufrichtige Lügnerin". Sobald Klingenberg in Hamburg im April seine Arbeit beendet hat, wird er in Köln fürs Fernsehen Herbert Reineckers "Der Mann aus England" vorbereiten. Hildegard Krahl und Alexander Kerst sind als Hauptdarsteller vorgesehen. "Tevya und seine Töchter", Klingenbergs erste westdeutsche Fernsehinszenierung, geht am 15. März über den Bildschirm. Die große Liebe des ehemaligen Mitglieds des Berliner Brecht-Ensembles (1956) gehört aber nach wie vor dem Theater.

WILLI PAETSCH

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