Sigrud Knubben und Rolf Friedrich Goetze im Gotthard-Massiv tödlich verunglückt

Weltrekordler unter den Opfern

Eigener Bericht

E. R. Essen, 17. Juli-

Unter den sechs Insassen, die am Sonnabend bei dem Absturz eines deutschen Reiseflugzeugs auf dem Flug von Köln nach Nizza am Gotthard- Massiv tödlich verunglückten, sind zwei prominente deutsche Motorbootsportler und mehrfache Motorboot-Weltrekordinhaber, die 23jährlge Sigrud Knubben au" Essen und Rolf Friedrich Goetze aus Burscheid bei Köln, Vorsitzer des Vorstandes und 80prozentiger Inhaber des Aktienpakets der Friedrich Goetze AG, des größten europäischen Werks der technischen Dichtungsbranche, das monatlich 7 Mill. Kolbenringe herstellt.

Sigrud Knubben ist die Tochter eines motorsportbegeisterten Automobilhändlers, der bereits 1959 Motorboot-Weltrekorde erzielte. Seine Tochter, die schon als 16jährige in das Rennboot stieg, stellte 1960 und 1961 eine Reihe von Weltrekorden in Sport- und Rennbooten auf und gewann zahlreiche internationale Preise. Das frische, stets bescheidene und furchtlose junge Mädchen stand aber auch im beruflichen Leben seinen Mann: Als Prokuristin war es die rechte Hand im väterlichen Automobilgeschäft.

Konstrukteur mit sportlichem Elan

Rolf Friedrich Goetze war eine der interessantesten Persönlichkeiten des Automobil- und Rennbootsports, der in technischer Berufung gleichermaßen wie im sportlichen Elan die Motorenentwicklung zur Höchtsleistung brachte. Er war als Automobilrennfahrer sehr erfolgreich, war Konstrukteur des Goetze- Weltrekord-Bootsmotors, mit dem er 1961 in Italien einen Kilometer-Weltrekord mit 131,63 km/st für die500-ccm- Klasse aufstellte, und auf dem Prüfstand der Goetze-Werke läuft heute auch der Wankel-Motor.

Der Tod des 43jährigen ist insofern besonders tragisch, als er, der Unternehmenschef der rund 4000 Menschen beschäftigenden Familien-AG, sich als Vorsitzer des Vorstandes vor einigen Monaten seiner Familie gegenüber verpflichtete, sich rennsportlich nicht mehr zu betätigen. Er hatte die Flugreise nach Nizza angetreten, um mit einem Interessenten über den Verkauf seiner Weltrekordboote zu verhandeln.

Vor einigen Tagen erst, am 4. Juli, begingen die Goetze-Werke das Jubiläum ihres 75jährigen Bestehens, bei dem

Rolf Goetze, der tödlich Verunglückte, sich als neugewählter Vorstandsvorsitzer vorstellte, seinen Abschied vom Rennsport bekanntgab und den Stolz seiner Konstruktionsarbeit, die von ihm selbst im Windkanal entwickelten Weltrekordboote, zeigte.

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