Wieder Maschine des Air Lloyd abgestürzt: Sechs Tote

Im Gotthard-Massiv zerschellt

Eigener Bericht-ap-dpa-upi

Disentis, 16. Juli

Eine zweimotorige Reisemaschine der Kölner Nah-Luftverkehrsgesellschaft Air-Lloyd vom Typ "Piaggio P 166" mit sechs Menschen an Bord ist am Sonnabend an einer Steilwand des Oberalpstocks im Gotthard-Massiv zerschellt und abgestürzt. Die beiden Piloten und vier Passagiere, darunter zwei Frauen, kamen ums Leben.

Das Flugzeug war am Sonnabend um 12 Uhr mittags in Köln zu einem Flug nach Nizza gestartet. Über Brunnen (Schweiz) meldete der Pilot plötzlich Eisbildung an den Tragflächen. Der Kontröllturm in Zürich-Kloteh, der die Meldung empfing, forderte die Maschine auf, die Höhe von 4000 Metern zu halten und unverzüglich nach Norden zurückzufliegen. Offenbar hat der Pilot diese Anweisung jedoch nicht mehr erhalten. Er änderte den Kurs nicht, verlor immer mehr an Höhe, verschwand aus dem Radarfeld des Kontrollturms und zerschellte in dichten Wolken- und Nebelfeldern zwischen Disentis und Andermatt im Gotthard-Massiv.

Angehörige schweizerischer Bergrettungstrupps machten sich sofort nach Bekanntwerden des Unglücks auf den Weg zur Absturzstelle. Bis gestern abend konnten fünf Tote geborgen werden. Das sechste Opfer hofft man im Laufe des heutigen Tages aus dem unwegsamen Gebirgsmassiv zu holen.

Ein Schweizer Hubschrauber; der sich an (Jer, , Bergungsaktion beteiligt und Benzin von Zürich nach Disentis geflogen hatte, geriet gestern abertd nach Berühren einer Hochspannungsleitung bei der Landung in Disentis in Flammen und brannte aus. Der Pilot ? sein Name wird mit Jimmy Gerber angegeben ? kam ums Leben.

Der Air-Lloyd gab heute morgen die Namen der beiden Piloten der P 166 bekannt: Es sind der am längsten bei

der Gesellschaft tätige 27jährige Max Bendix und der fünf Jahre jüngere Manfred Sturm. Die Namen der vier tödlich verunglückten Passagiere werden ? angeblich auf Wunsch der Angehörigen ? immer noch zurückgehalten.

Erst am vergangenen Wochenende war eine Maschine des Air-Lloyd bei Riesenbeck im westfälischen Landkreis Tecklenburg verunglückt. Der erfahrene Pilot Hans Tinnefeid und Helene Kamil, Herzogin zu Mecklenburg, fanden dabei, wie berichtet, den Tod. Gerüchte, nach denen beide einem Verbrechen zum Opfer fielen, haben sich bisher nicht bestätigt: Die Untersuchungen des Gerichtsmedizinischen Instituts Münster stehen allerdings noch aus.

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Etwa 40 Kilometer nördlich von London stürzte gestern ein schwedischer Saab-Saphir-Viersitzer ab. Der Pilot und die beiden Passagiere, zwei Frauen, kamen ums Leben. In der Nähe von Klagenfurt (Österreich) riß ein Sportflugzeug seine beiden Insassen, den Piloten und einen Passagier, mit in den Tod.

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