Der "Autodrom" von GlindeFahrschule neuen Stils vor den Toren Hamburgs / Am Anfang "Rollenübungen"

Erst alle Handgriffe beherrschen

Die Frage, ob die Fahrschule noch den Anforderungen des modernen Verkehrs entspricht, ist nicht neu. Nicht umsonst versucht mancher Anfänger, sich durch einen guten Freund oder Verwandten "privat" in die Bedienungstechnik des Autos einweisen zu lassen und übt irgendwo auf stillen Wegen. Diese Methode ist jedoch, weil mit Gefahr verbunden, zu Recht verboten. Das Prinzip aber ist nicht falsch. Der Autohändler Johannes Kille hat es mit legalen Mitteln in seinem "Autodrom" in Glinde zu einer Fahrschule neuen Stils ausgebaut.

Kille hatte immer wieder beobachtet, wie unsicher sich frischgebackene Autobesitzer oft in ihren ersten Wagen setzten und dann frisch-fröhlich, zwar mit Führerschein, aber doch mit keineswegs ausreichenden Fahrkenntnissen,

in den 'ferkehr stürzten. (Allein in Hamburg wurden im Jahre 1961 rund 71 000 Führerscheine gemacht.)

"Sicherheit zuerst", sagte Kille dazu. "Der Anfänger muß zum Beispiel die blitzschnelle Fußbewegung vom Gaspedal zur Bremse traumhaft sicher beherrschen. Mein Schulungsprogramm sieht allein diese Reaktion mindestens 4000mal vor!"

Wie sieht sein Programm, das in einem "Scheckheft" genau vorgezeichnet ist, im einzelnen am?

Vor der eigentlichen Fahrpraxis lernt der Schüler in vier sogenannten "Rollenübungen" erst einmal die reine Bedienungstechnik. Vier Wagen sind dafür fest stationiert. Ihre Hinterräder stehen auf Rollen, so daß ganz realistisch bei laufendem Motor geübt werden kann. Und zwar zunächst nur das Schalten. Eine Zwangsführung für den Schalthebel gibt dabei sichere Hilfe.

Im zweiten Wagen hat der Fahrschüler dann auf ein rotes Warnlicht hin das Bremsen zu üben. Bei der dritten Übung muß er die Blinker betätigen, und im vierten Wagen machen die auf drehenden Scheiben rollenden Vorderräder normale Lenkbewegungen möglich. Auch hier hat sich der Fahrschüler genau nach einer Lichtzeichenanlage zu richten ? und er wird ständig kontrolliert.

Vom Kommandostand des Autodroms aus gibt der Fahrlehrer über Mikrophon nicht nur seine Anweisungen, er kann die einzelnen Übungen auch genau verfolgen.

Wenn der Fahrschüler dann zum erstenmal in einen "richtig fahrenden" Wagen steigt, hat er dessen Bedienung bereits ausgiebig vorgeübt. Das Stra- ßensystem des Autodroms bietet nun eine Fülle von Möglichkeiten, die nach vorgezeichneten, sorgfältig ausgeklügeltem Programm auszufahren sind. Dabei wird der Schüler vom Kontrollturm aus ständig beobachtet und über Funk korrigiert. Das Fahrprogramm ist vielseitig. So sind z.B. die Verkehrszeichen der Anlage veränderlich, so daß der Fahrschüler gezwungen ist, ihnen ständig seine Aufmerksamkeit zu widmen.

Das Glinder Autodrom ist jetzt ein gutes Vierteljahr in Betrieb. Bisher hat jeder Fahrschüler, so sagt Kille, seine Prüfung vor Hamburger Prüfern bestanden. rudolf lodemann

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