Wo sollen die Autos bleiben? / Gemeinschaftstarif nötig

Handelskammer: Mehr für den Stadtverkehr tun

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Hamburg muß mehr Tempo vorlegen, wenn es seine Verkehrsprobleme lösen will! Dies ist das Fazit aus dem Bericht der Handelskammer über das Jahr 1961, den Präses Freiherr Hans-Rudolf von Schröder gestern der

Öffentlichkeit vorlegte. ,

"Die Bewältigung 'des Stadtverkehrs gehalten und der Verkehrsstrom von In Hamburg bereitet große Sorgen", den Außenbezirken zur Innenstadt bestellt die Handelskammer fest, "die schleunigt werden ? vorausgesetzt al- Verkehrsnot hat ein Ausmaß erreicht, lerdings, daß die Wagen in der Innendas zur resignierenden Haltung oder zu Stadt Platz zum Parken fincten würden. radikalen Maßnahmen geradezu her- Die Lösung des Parkproblems In der ausfordert." City ist nach Ansicht der Kammer fflr

Eine resignierende Haltung sei nach die Zukunft des Stadtverkehrs von ent- Meinung der Kammer jedoch weder be- scheidender Bedeutung. rechtigt, noch dürfe sie das zukünftige ?Was nützen die besten und lei- Handeln bestimmen. Radikale Forde- stungsfähigsten Straßen, wenn der rangen, wie Sperrung der City für Kraftwagen an seinem Ziel keinen Kraftwagen würden Hamburgs Lebensbedingungen zwangsläufig gefährden.

Die Handelskammer stellt fest: Die Denkschrift des Senats von 1955 zur Neuordnung des hamburgischen Stadtverkehrs ist überholt! Damals sah der Senat nämlich seine Hauptaufgabe im Ausbau großer durchgehender Straßenzüge und in der Erweiterung des U- Bahnnetzes.

"Längst ist deutlich geworden", erklärt die Kammer, "daß ein zusätzliches Netz anbau- und kreuzungsfreier Stadtautobahnen notwendig - ist und der vorgesehene Ausbau des U-Bahnund S-Bahnnetzes beschleunigt und mit weitergesteckten Zielen fortgesetzt werden muß. Dazu brennt uns ein weiteres Problem auf den Nägeln, das 1955 noch mit einem kleinen Absatz in der Denkschrift abgetan werden konnte: die Parkraumfrage in der Innenstadt."

Die Kammer, heißt es weiter, messe dem verstärkten Ausbau des U-Bahnund S ? Bahnnetzes große Bedeutung bei. Damit würden einmal die Straßen im inneren Stadtbereich von der Stra- ßenbahn entlastet. Leistungsfähige Schnellbahnen mit ausreichenden Parkmöglichkeiten an den Vorort-Bahnhöfen würden auch den Innenstadt- Verkehr entlasten.

Mit Nachdruck fordert die Handelskammer deshalb einen Gemeinschaftstarif fflr die öffentlichen Verkehrsmittel.

Solange nämlich, argumentiert die Kammer, die Überlegungen zum Ausbau der Liniennetze von den gegenwärtigen unterschiedlichen Tarifen ausgehen, bestehe immer die Gefahr einer falschen Linienführung, also einer Fehlinvestition. Auch die Wirtschaft, besonders ungünstig gelegene Betriebe, hätten zunehmende Schwierigkeiten bei der Einstellung neuer Kräfte, wenn diese zwei Fahrkarten lösen müßten.

Eine weitere wichtige Forderung der Kammer ist, daß die Stadtautobahnen bald gebaut werden. Nur so könne der Verkehr zwischen den Randbezirken von den Straßen der Innenstadt fern-

"Parkplatz findet?" heißt es im Jahresbericht. Die Handelskammer begrüßt daher, daß der Staat jetzt vier neue Parkhäuser in der City bauen will. Sie hofft aber auch, daß die Finanzbehörde in Zflkunft auch den Bau privater Parkhäuser wieder erleichtern wird.

An die Verkehrspolizei richtet die Handelskammer den Appell, das starre Ampelsystem elastisch aufzulockern, damit -lejjestmögliche Nutzung des Stra- ßenraumes gewährleistet ist

Gelingt et nicht", prophezeit die Handelakammer, ?die Leistungen fflr -den tnnerstädtischen Verkehr wesentlich an erhaben, ae werden sich die Schwierigkeiten welter verstärken. 1

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