Düsseldorf weiht heute seine neue Hochstraße ein

Auf 21 Stützpfeilern durch die Innenstadt

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Von unserem Redaktionsmitglied Werner Erdmann

Düsseldorf, 5. Mai

Rechtzeitig zur Eröffnung der großen internationalen Messe Druck und Papier in Düsseldorf gibt Oberbürgermeister Peter Müller heute die neue Hochstraße für den Kraftfahrzeugverkehr frei. Sie hat in nur sicbzehnmonatiger Bauzeit dem Zentrum der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt ein völlig neues Aussehen gegeben. Die DRUPA mit ihrem Besucherstrom aus aller Welt wird die Hochstraße gleichzeitig auf eine erste Bewährungsprobe stellen.

Nur in Düsseldorf selbst, am Nordrand der Stadt, gibt es für die Hochstraße ein Vorbild: Die Auffahrt zur nördlichen Rheinbrücke ruht auf vielen Stützpfeilern, die der Volksmund "Tausendfüßler" getauft hat. Kein Zweifel, daß er auch der jetzt fertiggestellten Straße diese Sammelbezeichnung geben wird, zumal sie die Fortsetzung der großzügig angelegten Stadtautobahn nach Süden bedeutet.

Ihre eigentliche Aufgabe, den innerstädtischen Verkehr zu entlasten und den Autofahrern die Möglichkeit zu geben, ohne große Zeitverluste die Landeshauptstadt zu passieren, wird die neue Straße nach Ansicht ihres Planers und Gestalters, des Stadtplaners und Baudezernenten Prof. Friedrich Tamms, ganz sicher erfüllen. Der wegen dieses Projekts von den Düsseldorfern so stark angefeindete Beigeordnete hofft, daß dann endlich auch die zum Teil verletzende Kritik an ihm und seiner Arbeit aufhört.

Denn kaum hatte der Rat der Stadt beschlossen. die Hochstraße nach Tamms' Plänen bauen zu lassen, womit notwendigerweise in den von allen Düsseldorfern wie ein Augapfel gehüteten Hofgarten eine Bresche geschlagen wurde, als die Heimat- und Bürgervereine auch schon mit Protestaktionen aufwarteten, die für den Außenstehenden nur mit einem Kopfschütteln begleitet werden konnten. Das Ergebnis solchen bürgerlichen Übereifers: die Hochstraße wurde dennoch gebaut. Aber die Mitglieder der Heimat- und Bürgervereine ? und sie sind zahlreich am Rhein ? werden dem Stadtplaner das wohl nie verzeihen.

Die neue Hochstraße beginnt an der Goldsteinstraße am Hofgarten, führt dreispurig über den Jan-Wellem-Platz auf den acht Straßen münden, und über die Schadowstraße und gabelt sich nach 280 Meter Länge in die Abzweigung Immermannstraße und- die Abzweigung Berliner Allee. Mit drei Rampen mißt die Hochstraße, die auf 21 Stahlstützen steht, insgesamt 670 m. Ihre höchste Höhe beträgt sieben Meter über dem Niveau der Schadowstraße. Die beiden Abzweigungen haben jeweils zwei Fahrspuren.

Gewiß: Das neue Gesicht der Düsseldorfer Innenstadt wurde von der Technik geprägt. Aber es ist elegant in seiner Linienführung; und wer, dem Neuen und Notwendigen aufgeschlossen, sie betrachtet, wird dem Planer und den Gestalter seine Bewunderung nicht vorenthalten können.

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