Hamburgs Straßen

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Am Hamburger Straßenbau entzünden sich leicht die Gemüter. Der Einwohner, der die Straßen benutzt, hat ein anderes Urteil über ihren Wert und ihre Leistungsfähigkeit als die Planer und Politiker, die für den Entwurf und den Bau der Straßen verantwortlich sind. Man kennt die Situation: Der Einwohner schimpfte, "die Straßen sind unzulänglich"; Planer und Politiker dagegen beschwichtigen gern: "es ist im Grunde doch alles In bester Ordnung". - Diese Kluft der Anschauungen scheint sich jetzt etwas zu schließen. Wenn man so will, zeichnet sich eine Morgenröte Im Hamburger Straßenbau ab. SPD- Fraktionsvorsitzender Brandes hat gestern nach einer anscheinend aufschlußreichen Rundfahrt erklärt: Wir müssen uns für ganz neue Rangordnungen Im Haushaltsplan entscheiden. Und er fügte hinzu: Der Straßenbau sollte zukünftig dem Wohnungsbau wenigstens gleichrangig sein, wenn nicht sogar noch vordringlicher.

Das sind beherzte Worte. Sie bekommen ihr besonderes Gewicht wenn man erfährt, daß Brandes vor fünf Monaten, als das Hamburger Abendblatt sehr eindringlich die Priorität für den Straßenbau forderte, noch unbesorgt abwinkte. Wir wollen das Herrn Brandes keineswegs vorhalten und begrüßen gern das, was er gestern freimütig bekannt hat.

Brandes geht in seinen Worten, mit denen er sich u. a. auch für ein Vorziehen des Stadtautobahn-Baues einsetzt, noch über die Anschauungen des Tiefbausenators Buch hinaus. Der Zeitungsleser kann d&s in dieser Ausgabe, in der beide "i Wort kommen, vergleichen.

Diese "Morgenröte im Straßenbau" hängt sicherlich auch 'mit dem Bürgermeisterwechsel zusammen. Bürgermeister Dr. Nevermanit, der als damaliger Bausenator an den Plänen für ein Stadtautobahnnetz mitwirkte, steht diesem wichtigen Projekt selbstverständlich aufgeschlossener gegenüber als sein Vorgänger, der es als "Utopie" bezeichnete. Man weiß, wieviel Ärger es damals zwischen den bebten SPD-Mitgliedern des Senats deswegen gegeben hat ,mjd wie 'beinahe die Bürgennelsternacbfolge daran gescheitert wäre. .

Es kommt also nun darauf an, auch die Gewichte in de" Haushaltsplänen zu verschieben und dem so dringend notwendigen Straßenbau mehr G"ld und mehr Raum zu geben. Erfreulich, zu hören, daß sich jetzt auqh Im Rathaus die Erkenntnis durchsetzt, daß es beim Straßenbau nicht um die pure Bequemlichkeit des Autofahrers geht.

Es geht um viel Wichtigeres: Hamburg braucht ein leistungsfähiges Straßennetz, damit das Wirtschaftsleben der Weltstadt funktionleren kann. Denn bei einem festgefahrenen Verkehr müßte die Lebenskraft einer Stadt veröden. Das darf nicht passieren.

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