Baubeginn im Frühjahr 1963 / Planung läuft schon auf vollen Touren

Der neue Wallring wird eine gigantische Berg- und Talbahn

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In dei* Baubehörde läuft die Planung für den neuen Wallring auf vollen Touren. In knapp eineinhalb Jahren sollen die Bauarbeiten beginnen.

Der gesamte StraBeniug vom Millerntor Aber ' Karl-Muek-Platz, Esplanade, Lombardsbrttcke und dem Glockengle- Rerwall bis sum Delohtorplats wird sich ab Frühjahr 1963 In die gröBte Baustelle Hamburgs verwandeln. Die* kündigte Erster Baudirektor Professor Slll, Chef dei Tiefbauamtes, testen* vor dem Architekten- und Ingenieurverein an.

Der Wallring- wird Hamburgs erste echte Stadt-Autobahn. Das heißt, die Fahrbahnen verlaufen ln der logenannten zweiten Ebene. Mal über, mal unter dem Pflaster. Hamburgs Autofahrer der Zukunft werden vom Deichtor bis zum Millerntor über eine gigantische Berg- und Talbahn rollen.

Am Deichtorplatz wird es im Keller beginnen. Dieser Verkehrsknoten ? letztes Bauteil der quer durch die Innenstadt geschlagenen Ost-West-Straße ? wird im Frühjahr 1963 fertiggestellt sein. Das bedeutet: alle Signale auf freie Fahrt für die große Buddelei am Wallring.

Der Glockengießerwall soll auf seiner ganzen Länge unterfahren werden. Vor der Kunsthalle kommt der Verkehr wieder ans Tageslicht, rollt Über eine auf zehn Fahrspuren verbreiterte Alte Lombardsbrücke, steigt In die erste Etage und überquert hoch oben die Kreuzungen Esplanade/Neuer Jungfernstieg, den Stephansplatz und die JunglusstraBe. Dann geht es vor dem Karl-Muck-Platz wieder hinab In die Tiefe bis zum Millerntor. Dort sieht der Kraftfahrer dann wieder Liebt.

Das eigentliche Problem für die Stra- ßenbauer ist nicht die Berg- und Talbahn, sondern es sind die Knoten. Die meisten Fahrzeuge rollen nicht über den gesamten Halbbogen des Wallringes, sondern fädeln sich irgendwo ein und fahren an anderer Stelle wieder heraus.

Der Hauptknotenpunkt liegt an der Einmündung der Straße An der Alster. Hier müssen die Planer ausreichende Stauräume, Einffidelungsbahnen und Zu- und Abfahrtsrampen vorsehen, Bauten, die nicht nur teuer sind, sondern auch viel Platz benötigen.

Insgesamt sind nach der heute vorliegenden Planung sechs Knetenbau" werke vergesehen:

- Deichtor

- Ferdinandstor

- Neuer Jungfernstieg ? lunglusstrafle ? Karl-Muck-Platz ? Millerntor

i Professor 8111: Endgültig gelöst sind die Probleme nodh nicht. Es kann seih, daß mehr oder weniger Abfahrtsstellen notwendig sein werden.

Der Stephansplatz, neuralgischer Punkt und kritischste Kreuzung ganz Hamburgs, wird voraussichtlich glatt von einer auf schlanken Stahlstützen ruhenden Hochstraße überquert. Die nebenstehende Entwurfsskizze der Baubehörde vermittelt ein anschauliches Bild.

Offen ist heute noch die Frage, ob man die Hochstraße auf Beton oder Stahl stellen wird. Dr. Stephan vom Tiefbauamt: "Die Industrie liefert sich einen scharfen Konkurrenzkampf. Das kann uns nur recht Sein." hwb

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