Die Stunde, die du glücklich bist

Der Grund, warum dem Publikum seit Jahren ein Film nach dem anderen (vorwiegend aus deutscher Produktion) vorgesetzt wird, in welchem jemand an einem Tumor langsam dem frühen Grabe entgegensiecht, dieser Grund ist kaum zu finden. Oder gibt die Tiefenpsychologie eine Antwort darauf? ?Endzeitpsychose?? In diesem Streifen Rudolf Jugerts geschieht solches dem reichen Supermann Peter van Eyck, der

eine letzte Liebe mit der Rechtsanwältin Ruth Leuwerik erlebt. Er stirbt, damit ist zugleich der Forderung Genüge getan, daß eine Scheidung im Film nicht stattfinden darf, er ist nämlich außer mit einem Tumor auch noch mit einer ungeliebten, herzlosen Gattin behaftet. Wie dieser Film nach sachkundiger Erläuterung durch den behandelnden Arzt die einzelnen Phasen des Leukämie-Sterbens genußvoll ausbreitet, das ist von derartig sentimentaler Taktlosigkeit, daß auch eine bessere Darstellung, eine noch bessere Kamera das Thema nicht erträglicher hätten machen können. Es bleibt am Ende nur die Frage: Fällt deutschen Filmautoren ("Mach dir ein paar frohe Stunden ? geh ins Kino!") nichts anderes ein, um ihr Publikum einmal nach Herzenslust traurig zu stimmen? Offenbar nicht! (Passage) hen.

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