Moorfleet oder Heiligengeistfeld? / Erst nächste Woche Klarheit / Handel muß die Folgen tragen

Weiter Tauziehen um die Fernsehsender

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In sechs Wochen soll für Hamburg und Umgebung das Zweite Fernsehprogramm ausgestrahlt werden. Bisher ist jedoch immer noch nicht geklärt, welcher der beiden neu erbauten Sender es in den Äther schicken soll: der NDR - Sender in Moorfleet oder der Postsender auf dem Heiligengeistfeld. Nach der gestrigen Erklärung von Bundespostminister Stücklen, über die auf Seite 1 berichtet wird, ist die Lage verworrener denn je.

Nach dem Karlsruher Urteil im Fernsehstreit war klargelegt, daß die Post die Sender für das Zweite und jedes folgende Programm betreiben sollte. Daraus hatten Hamburgs Fernsehteilnehmer den Schluß gezogen, daß man sich nun sehr schnell einigen würde, welcher der beiden Sender für das Zweite Programm zuständig sei. Das war leider ein Trugschluß.

In Bonn wird immer noch zwischen Rundfunk und Post verhandelt. In der nächsten Woche soll nun, wie der NDR heute bekanntgab, endgültig entschieden werden, ob das Programm in Moorfleet oder vom Heiligengeistfeld ausgestrahlt wird. Nach dem Stand der Verhandlungen zu urteilen, scheint nicht ausgeschlossen zu sein, 'daß der Postsender auf dem Bunker Heiligengeistfeld das Rennen macht. Der NDR- Sender in Moorfleet bliebe dann für ein Drittes Programm reserviert.

Dieser unerquickliche Streit, der jetzt in ein Feilschen um Sendelizenzen ausgeartet ist, blieb natürlich nicht ohne Folgen in den Fachgeschäften. Der Verkauf von Fernsehgeräten ist nach wie vor gering.

Daran haben auch aufsehenerregende Preistürze nichts ändern können. Viele Geräte, besonders ältere Modelle, werden schon unter dem Selbstkostenpreis angeboten. Auch die Antennenindustrie klagt über schleppenden Verkauf. Es ist nämlich nicht gleichgültig, welche der sogenannten UHF-Antennen für das Zweite Programm gekauft werden. Der Sender Moorfleet, der auf Kanal 44 arbeiten soll, verlangt eine andere Antenne als der Postsender, der schon sein Testbild auf Kanal 22 sendet. Daneben gibt es auch noch teurere Antennen, die für beide Kanäle geeignet sind.

Nicht weniger wichtig für den Fernseh-"Verbraucher" ist dies: Der Postsender, der nur als Provisorium gebaut wurde, wird in Hamburg vermutlich schlechter zu empfangen sein als der NDR-Sender. In vielen Fällen sind also einfache Fensterantennen nicht ausreichend. Bei Dachantennen muß der Teilnehmer jedoch weit tiefer in den Geldbeutel greifen.

Hoffentlich werden die Hamburger in der nächsten Woche endlich wissen, woran sie sind. hn.

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