Ohne Engpässe / Grünstreifen trennt Fahrbahn von Bürgersteig

Auf der Eibchaussee soll vieles jetzt anders werden

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Was ist aus der Eibchaussee geworden! Die herrliche Straße, eng verknüpft mit den Namen der großen Hamburger Kaufmanns- und Reederfamilien des 19. Jahrhunderts, die breite Promenade mit den berühmten Villen und Parks ist im wahren Sinne des Wortes unter die Räder gekommen: Die Autos haben ihr die Ruhe genommen.

Tag für Tag verkehren auf der neun Kilometer langen Strecke zwischen Altona und Blankenese Tausende von Kraftwagen. Immer wieder stauen sich an den Engpässen lange Kolonnen, die sich langsam hinter schwerfälligen Lastzügen bergauf winden.

An schönen Sonntagen ist es besonders schlimm: Dann gibt es hier auch ohne Lastwagen heillose Verstopfungen, dann rudern die Einsatzkommandos der Polizei machtlos durch endlose Verkehrsströme. Fußgänger müßte man an solchen Tagen sein: Die Bürgersteige entlang der Eibchaussee sind wie leergefegt; wer will schon auf dieser einst herrlichen Promenade Spazierengehen, in all dem Motorenlärm und Gestank?

Das alles soll anders werden, hat die Hamburger Baubehörde beschlossen. Es geht zunächst um die Beseitigung der vier neuralgischen Punkte der Eibchaussee: am Altonaer Rathaus, vor Teufelsbrück, in Höhe des Friedhofes Nienstedten und auf der Kreuzung Schenefelder Landstraße ? Man teuf f elstraße ? Mühlenberg bestehen Engpässe, die durch Verbreitern der Fahrbahn verschwinden sollen. Das läßt sich leider nur durch Beschneiden der angrenzenden Grundstücke verwirklichen. Verständlich, daß die Anwohner darüber nicht erfreut sind.

Aber es gibt keine andere Wahl: In wenigen Jahren wird sich in Hamburg die Zahl der Kraftfahrzeuge verdoppelt haben. Bis zu dem Zeitpunkt muß das Problem Eibchaussee gelöst sein.

Die herrliche Straße hat zwar im neuesten Baedeker immer noch einen Stern. Aber sie hat viel von ihrem Glanz eingebüßt. Jetzt möchte man retten, was zu retten ist und die Eibchaussee wieder zum Aushängeschild der Hansestadt machen. Die Planung sieht vor, die Fahrbahn durch einen , Radweg und einen Grünstreifen vom Bürgersteig zu trennen, so daß hier wieder eine echte Promenade entsteht, auf der die Fußgänger nicht so stark durch die Straße belästigt werden, zumal der Lastwagenverkehr aus dieser Gegend verbannt sein wird.

Auch der Promenaden-Plan läßt sich natürlich nur auf Kosten der Grundstücksbesitzer verwirklichen. Die Baubehörde ist da in schwieriger Lage! Sie möchte den Anwohnern möglichst wenig Ärger bereiten, sie möchte andererseits der Bevölkerung der Millionenstadt diesen schönsten Teil Hamburgs erschlie- ßen. Dazu gehört auch die Anlage vieler neuer Wege in den Parks, dazu gehört der Ausbau des Eibuferweges. Auch an Parkplätze will man denken, so daß Autofahrer die Schönheit der Eibchaussee auch einmal zu Fuß genießen.

Es werden zwar viele Jahre vergehen, bis Hamburgs Prachtstraße ihr neues Gesicht bat. Aber die Entwicklung wird niemand aufhalten können

CLAUS REESE

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