Käutners "Glas Wasser" mit Gründgens -Krahl

Leicht sein ist schwer

Mit einem Schmu nselstfick aus dem Hamburger Atelier schlössen die "10. Internationalen Filmfestspiele Berlin". Aus der Taufe gehoben wurde Helmut Käutners Scribe- Verfilmung "Das Glas Wasser".

Die Neugierde war insofern groß, als sich Gustaf Gründgens hier zum erstenmal nach 19 Jahren wieder in einer Filmrolle vorstellte. Von den Festspielgästen sehr bejubelt, von der Berliner Kritik uneinheitlich beurteilt, gelang dem deutschen Film hier, was ihm gemeinhin sehr schwer fällt ? nämlich leicht, zu sfein. 'Käutner hat Scribes Komödie schoa für die Bühne bearbeitet (vor Jahren' ; itt den Hamburger Kammerspielen aufgeführt); auf der Leinwand ging er, vornehmlich in der Stilisierung, noch einen fröhlichen Schritt weiter. Die Dekorationen sind munter und ironisch. Käutner gibt absichtsvoll verfilmtes Theater, aber er macht das so leichthändig, so spritzig, daß der Beweglichkeit einer Filminszenierung Genüge getan wird. Hübsch anmutig und originell ist das aufbereitet; Käutner-Puzzlespiele am tauglichen Objekt. Ein Glücksfall im deutschen Film, wenn eine Sache zugleich von Rang und prall von Unterhaltsamkeit ist.

Gewiß konnte Käutners Halb-Musical nur gelingen, weil ihm ein Ensemble zur Verfügung stand, das sich auf feines Komödienspiel versteht. Grundg e n s bringt für die Rolle des Bolingbroke unanfechtbare Souveränität mit; er, kann Chansons servieren, Pointen abschießen wie Pfeile und hat Musikalität Er bestimmt den ironischen Tonfall dieses Ersembles^ ,Am gewräsagM haftesten greift Hilde ''Ktata.l>.i^tSB> Churchill) dieses dialektische FloflM" gefecht auf; die -Qritte im hervorragenden Bündel ist ; Liselotte Pulver (Königin). I5r kultiviertes Spieltemperament nimmt sich auch hier wieder reizvoll aus t Sabine Sinjen und Horst Janson geben sich Mühe, dabei mitzuhalten. -

Ein Film fflr Feinschmecker, für Kinofreunde, die genau hinsehen und hinhören mögen. j^

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