Das Hamburger Abendblatt gratuliertPrinzen bestellten Staatskarossen / 125 Jahre Fahrzeugbau

In der "Punsch-Bowle" saßen einst zwölf Zecher

Während gestern mit geübter Malerhand und brauner Leimfarbe eine Monstre-Schau der Karosserie-Fabrikation der letzten 125 Jahre auf die Wände gepinselt wurde, woben drinnen in der Werkshalle Lehrlinge fröhlich an einer Girlande: Heute feiert ;5 Firma Sachs & Sohn % am Neuen Pferde- i markt 27, Karosserie- und Fahrzeugfabrik, ihr 125jähriges Betriebs jubiläura.BÜrgermeisterllrenkel oes Gründers: Brauer . gratulierte B"° h "" Hoffmann Im Namen des Senats.

Aus der betulichen Anfangszeit des Unternehmens stammt ein "Fuhrwerk", das Professor Hävernick im Museum für Hamburgische Geschichte am Holstenwall alle 14 Tage sorgfältig abstauben läßt: die sogenannte "Punschbowle". Dieser offene Wagen ist eine Kuriosität. Zwölf Personen können sich auf dem Fuhrwerk auf kreiskörmig angeordneten Bänken hinsetzen und ihre Füße unter einen Tisch stecken. Der Zweck des Gefährts liegt auf der Hand: Man machte mit ihm "Kneip-Touren", die nichts mit "Kneipp-Kuren" zu tun hatten.

Der Weg von der "Punschbowle" bis zum "Atomflitzer" von heute verdeutlicht den Ungetümen Sprung nach vorn, den die Technik in den letzten 100 Jahren gemacht hat. Der Karosserie-Bau machte dabei keine Ausnahme. Dieser "Atomflitzer", ein elektronisch gesteuertes und atomgetriebenes Auto mit Farb-Fernsehen und Rundumsicht-Kanzel ist zum Jubiläumstag von Sachs & Sohn als nicht ernst zu nehmendes Modell gebaut worden. Heute noch Utopie, morgen vielleicht Wirklichkeit. Das Zukunftsauto wird in den nächsten Tagen durch die Straßen Hamburgs fahren. Die Verkehrspolizei gab dazu ihren Segen, denn der "Atomflitzer" läuft auf soliden VW-Beinen.

Kaum jemand weiß, daß die Geschichte des ' Hauses Sachs &? Sohn am Gänsemarkt begann. Wagenmeister Bernhard Friedrich Christian Sachs tat dort auf dem Grundstück des früheren "Hamburger Anzeigers" den ersten Hammerschlag. Ein Blick in sein altes Auftragsbuch, am Gründungstag, dem 21. März 1834, angelegt und bis heute im Familienbesitz, ist ein Stück hamburgische Geschichte. Man findet alle Namen des heimatlichen Adels: Bassewitz, Brockdorf f, Hahn, Hardenberg, Holstein, Kielmannsegg, Platen-Hallermund Schimrrtelmann und Rantzau. Meister Sachs trug alles gewissenhaft ein: Fahrzeug Typ und dann die Sonderwünsche: Feuervergoldete Beschläge, Innenausstattung in Seidenrips oder Maroquinleder, an den Wagentüren Monogramme aus Dukatengold. Der Prinz von Dänemark, die Prinzen von Preußen, der Petersburger Hof bestellten Sonderanfertigungen. Man möchte es kaum glauben: Rechnungen wurden nur zum Jahresende geschrieben.

Im Jahre 1872 taucht auch der "hochwohllöbliche Senat" im Kundenbuch auf. Er bestellte für 2750 Kurant (1 Kurant = 16 Schillinge zu je 12 Pfennig) eine Staatskutsche, innen grüne Seide, außen dunkelblau und rot lackiert. Was baute man damals nicht alles! Tilburys und Victorias, Coupes und Kaleschen, Mylords, Phaetons, Dogcarts und auch Pferdeschlitten. Es waren insgesamt 41 verschiedene Wagentypen. \

Um die Jahrhundertwende ließ sich das wohlhabende Hamburger Bürgertum bei Sachs & Sohn Wagen bauen. Viele Träger heutiger Straßennamen sind im Kundenbuch zu finden. Dann kam das Automobil und krempelte auch bei Sachs & Sohn alles um. Die Polste- Heute tm Museum: Die "Punschbowle" rer, die bisher handwerklich den Ton angegeben hatten, wurden mehr und mehr von den Blechnern abgelöst. Statt Kaleschen für trauliche Porzellantouren um die Alster baute man nun Spezialfahrzeuge wie Feuerwehrautos, , Sanitätswagen, Expeditionsfahrzeuge und vieles mehr.

So ist die Zeit vergangen. Heute steht der Urenkel des Gründers dem Unternehmen vor, der 65jährige Bernhard Hoffmann. Er hat die bescheidene Hamburger Kaufmannsart beibehalten, die so manches Unternehmen durch alle Krisen brachte: Bernhard Hoffmann war nur schwer zu bewegen, seinen VW- Standard gegen ein Export-Modell umzutauschen. Er kOnnte auch einen Cadillac fahren. Heinz Metzger

Ein Pionier der Angestelltenbewegung, August Schneider, der in Langenhorn, Höpen 34, wohnt, ist gestern 80 Jahre alt geworden. Der gebürtige Rheinpfälzer

ahat vor der Jahrhundertwende seinem Lehrherrn noch Lehrgeld für die Ausbildung zahlen müssen, und auch die ersten Goldmark "Salär" im Monat bei freier Station, sind noch hart gewesen. "Ausgang" gab es nur

Aug. Schneider sonntags. Für seine künftige Lebensgestaltung

war es entscheidend, daß August Schneider sich dem jungen, von Hamburg ausgehendem Berufsverband der Angestellten, dem DHV, anschloß. Aktiv griff er besonders in Süddeutschland mit ein, um den unsozialen Zuständen abzuhelfen. 1921 wurde er Abgeordneter im badischen Landtag und war dort Sprecher in allen sozialen Fragen. Dienst an der Gemeinschaf t war stets dasLebensbekenntnis des alten Herrn, der heute noch als Bezirksverordneter, als Aufsichtsratmitglied des Deutschen Handels- und Industrie-Angestelltenverbands und einer Baugenossenschaft und als Kirchenvorstandsmitglied tätig ist.

Fünfzig Jahre aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Schenefeld ist Wehrführer und Brandmeister August Lautenschläger. Heute, am Jubiläumstag, wird der 69jährige noch einmal seine Wehr antreten lassen, um dann das Kommando seinem bisherigen Stellvertreter Hans Eilerbrock zu übergeben. Bürgermeister Döterling wird dem verdienten alten Brandmeister, der nach dem Kriege das Löschwesen in Schenefeld neu organisierte, in einer Feierstunde den Dank der Gemeinde aussprechen.

Im Hause Appuhnstraße 10 in Nienstedten feiert morgen Frau Alwine

Wöller ihren 90. Geburtstag. Die aus Grammenthin in Pommern stammende Jubilarin war als junge Frau mit ihrem Mann, einem Tischler, nach' Hamburg gezogen. Der gute Lohn in der Hansestadt lockte damals. "Ich bin mit meinem Leben zufrieden. Mein Tag ist völlig ausgefüllt", sagt Frau Wöller. Den schon

Herzliche Bitte

an alle, die dem Hamburger Abendblatt Jubiläums- und Geburtstagstermine zur Veröffentlichung mitteilen wollen: möglichst, schriftlich, nicht telephonisch durchgeben, genaue Vor- und Zunamen und Anschriften nennen, möglichst drei Tage vor dem Veröffentllchungs-Termln absenden! betagten Dackel an der Leine, mächt sie täglich ihren Spaziergang. Sie erinnert sich hoch gern an die Dampferfahrten auf der Elbe und an Tanzvergnügen im Klein-Flottbekei- Park.

Heute feiert Frau Minna Marschall in Alsterdorf, Grünstreifen 126, ihren 94. Geburtstag. Kürzlich hat sie noch eine große * Reise gemacht: auf. .dem Luftwege nach Florida zu ihrer Tochter. Mit der "Italia" ging es dann ohne Seekrankheit wieder heimwärts, überladen mit Erinnerungen und großen Photoalben im Gepäck. Oft erzählt jetzt die Großmutter

ihren Enkeln von den schönen Ausflugs fahrten in Amerika. Blumen- und Orarigengärten, Palmen und Hünderennen spiegeln sich in ihrem Gedächtnis. "Die Reise war herrlich, doch die Heimat ist immer die Heimat", sagt Frau Marschall. Geburtstage: In Eidelstedt, Waldfriede 29, ist Wilhelm Jäger heute 86 Jahre alt geworderi. 83 Jahre wurden Georg Nea"d6r, Methfesselstraße 26, und Postbeamter a.D. Heinrich Dressen, Wandsbek. Frau Luise Röh, Schnackenburgallee 16, Olga Behrend, Bürgerweide 77, und Gustav Meckermann, Eppendorfer Baum 41, wurden 80 Jahre alt. 79 Jahre alt ist Christian Fertig, Altona, Gaußstraße 56,

geworden, Jonny Witt, Groß-Borstel, Borsteler Chaussee 301, feiert seinen 75. Geburtstag. Der Regierungsoberinspektor i. R. Karl Blaschka, Lokstedt, Heimat 2, früher Schriftführer bei den Verhandlungen des Seeamtes, wurde 72 Jahre, Adolf Bludau, Langenhorn, Eberhofstieg 14, und Frau Frieda Marscholla, Heidberg 22, wurden 70 Jahre alt. Am Sonntag wird der Postschaffner a. D. Albert Freitag, Altersheim Bachstraße, 82 Jahre und Frau Alma Gumm, geb. Calosso, Hedingaweg 2a (früher Rennbahnstraße) 80 Jahre. Otto Schibat, Im Tale 22, wird Sonntag 75 Jahre alt und Frau Ehrke, Taubenstraße 16, wird 70. Sie ist" in der gleichen Wohnung geboren, m der 6ie heute noch wohnt.

25 Jahre ist Max Schick, Lokstedt, Hinter der Lieth 5, als Büroangestellter bei der Firma Poensgen & Heyer, Afrikahaus, tätig.

Goldene Hochzeit: Wilhelm Schulz und Frau Martha, geborene Klaeden, Alsterkamp 41, feiern heute goldene Hochzeit. Beide sind in Hamburg geboren, beide sind 78 Jahre alt. Der "Bräutigam" war rund 50 Jahre bei der Hamburg-Amerika Linie als Proviantaufseher tätig.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.