Viel Sonne - wenig Regen1959 wird in die Wettergeschichte eingehen / Kein klirrender Frost

Das Jahr der großen Dürre

Übersoll von 130 Prozent sehr gut.

Das Seewetteramt Hamburg gewährte dem Hamburger Abendblatt Einblick in seine Statistiken. Sie lassen erkennen, daß die Durchschnittstemperaturen aller Monate ? ausgenommen Februar ? zum Teil erheblich über den Sollwerten lagen. Im einzelnen sieht das so aus: ? 3 a n u a r 0,8 Grad zu warm ? Februar 0,5 Grad zu kalt ? M ä rz 3,1 Grad zu warm ? April 2,5 Grad zu warm ? Mai 1,1 Grad zu warm ? Juni 0,5 Grad zu warm ? 3 u I i 2,9 Grad zu warm ? August 2 Grad zu warm ? September 1,6 Grad zu warm ? O k t o b e r 1,3 Grad zu warm ' ? No v e m b e r ausgeglichen ? Dezember 1,1 Grad zu warm.

Den höchsten Sprung machte das Quecksilber am 9. Juli, zur Zeit der längsten Hitzeperiode: 34,8 Grad im Schatten! Die niedrigste Temperatur des Jahres ist eigentlich kein Rekord! Minus 8,7 Grad am 16. Januar. Die Sonnenscheinstunden erreichten nur im Februar, November und Dezember nicht die Sollwerte. In allen anderen Monaten strahlte die Sonne viel häufiger, als es die errechneten Mittelwerte der vergangenen hundert Jahre "vorschreiben".

Nun die Trockenheit. Alle Monate des Jahres, ausgenommen der Januar, waren in Hamburg zu trocken. Der September brachte es nur auf 8 Prozent Niederschlag: ganze 5 Liter je Quadratmeter statt 61! Vergleichszahlen aus Frankfurt und München lassen erkennen, daß das Jahr auch dort zu warm, su sonnig und zu trocken war. Frankhn Hamburg, 31. Dezember

Stürmisches Aprilwetter zum Jahreswechsel! Nirgends in Deutschland herrscht klirrender Frost. Der Winter hat sich in die Alpen zurückgezogen. Ein ungewöhnliches Finale für 1959. Aber es paßt zu den meteorologischen Launen dieses Jahres, das als "Jahr der großen Dürre" in die Wettergeschichte eingegangen ist. Seit 1840 hat es nur in vier Jahren ähnliche Trockenheitsperioden gegeben.

Die Hamburger Meteorologen haben Bilanz gezogen: Während des ganzen Jahres 1959 fielen auf die Hansestadt nur 62 Prozent des Niederschlagsolls. Die Durchschnittstemperatur lag 1,5 Grad über den Normwerten. Das Jahr war aber nicht nur zu warm ? Ä auch die Sonne meinte es 1959 mit einem 0 furt hatte etwa 66 Prozent seines normalen Niederschlags und München rund 80 Prozent.

Niederschlagskarten des Bundesgebiets bestätigen, daß es 1959 eine Art Regengefälle von Süden nach Norden gegeben hat. Im Südosten Bayerns erreichten die Niederschläge etwa das durchschnittliche Maß. Im Norden und Westen der Bundesrepublik fiel dagegen nur drei Viertel oder zwei Drittel der Soll-Regenmenge. In Schleswig-Holstein war es sogar weniger als die Hälfte.

Das große Niederschlagsdefizit ist für die Wasserwirtschaftler eine heikle Erbschaft, die ihnen im kommenden Jahr noch viele Sorgen machen wird. Die Experten befürchten, daß der Winter das große "Wasser-Minus" kaum wettmachen kann.