Neuer Hoffmann-Film im Passage -Theater

"Das schöne Abenteuer"

Der nette "Aufhänger" ist eine "Reise durchs Familienalbum" (Roman von Antonia Ridge), die der verwaisten anglofranzösischen Miß Gelegenheit zu einer reiseprospektschönen Tour de France (Paris, Nimes, Lyon, St. Etienne und schließlich sogar St. Fiacre) gibt, wo sich die letzten drei Cousinen des Stammes Durand ans Herz sinken und nun die Männersuche etwas energischer betreiben.

Der Einfall ist dünn, rührend, angegilbt und von äußerster Harmlosigkeit. In der Hand des deutschen Leichtgewichtsmeisters Kurt Hoffmann eher etwas zu leicht. Auch die Leichtigkeit braucht ja einen Gegenstand, den Hoffmann durch die liebenswürdigen Ausstrahlungen des französischen Volkslebens, die Heiterkeit der wechselnden Landschaften und Städtebilder und die auf jede Weise (Schiff, Eisenbahn, Auto, Fahrrad) in schöner Bewegung gehaltene Kamera nicht vollständig ersetzen kann.

Die Bundesfilmlächlerin Liselotte Pulver, durch Brille schalkhaft als Engländerin verkleidet, läßt sich von den französischen Männern (von Oliver Grimm bis Robert Graf) vorsorglich jene Ovationen bereiten, die wir ihr diesmal schuldig bleiben müssen.

Wer einmal völlig entspannen will, stürze sich in dieses "Schöne Abenteuer", wer sich jedoch an den härteren Tatsachen des Lebens orientieren möchte, dem sei es nicht verwehrt, einen melancholischen Seitenblick auf den "Armen kleinen Zirkus" zu werfen, dessen verwehten Spuren Hans H. Hermann im Staub der Straßen nachgegangen ist. wmh

"Jons und Erdme"

Sude rm a n n s beklemmende Geschichte von dem Mädchen Erdme und dem Moorsiedler Jons wird in dieser filmischen Darstellung noch um einiges düsterer. Kaum, daß einmal die Sonne

das Bild erhellt. Alles ist grau und schwarz. Nur Wasser, morastiger Boden, gespenstischer Nebel. Eine Glanzleistung von Göran Strindberg hinter der Kamera; die dunkle Melancholie der litauischen Landschaft weiß er vortrefflich einzufangen. Man spürt das Unheil in der nächsten Szene voraus. Regisseur Victor Vicas (der mit R. A. Stemmle das Drehbuch schrieb) betont oft zu sehr die tragischen Konflikte und gleitet an einigen Stellen ins Reißerische ab. Versöhnend die guten darstellerischen Leistungen. Vor allem das überzeugende Spiel der Giulietta Masina. In Richard Basehart und Carl Raddatz fand sie ausgezeichnete Partner. Weitere Rollen sind mit Agnes Fink, Gert Fröbe und Karin Baal besetzt. (Die Barke) -us

Und nochmals Tarzan

Im Grunde bleibt sich alles gleich: Tarzan vertritt die Gerechtigkeit im Dschungel und jagt die Bösen. Hier hängt er sich zäh an eine Mörderbande, die flußaufwärts nach einer Diamantenmine unterwegs ist und sich selbst tüchtig dezimiert, bevor Tarzan den Schlußstrich ziehen muß. Wie immer wird der Urwaldheld (diesmal, verjüngt und gefühlvoller, durch Gordon Scott dargestellt) von einer tapferen Blondinen begleitet, während die vom Typ her prächtigen Schurken einen schlanken Vamp mit sich führen. Prächtige Naturaufnahmen in Farbe (Oase). jh

Sistig folgt Epp

Prof. Leon Epp, der zuletzt sein Wiener 'Volkstheater zusammen mit den Städtischen Bühnen Münster führte, hat den Vertrag mit Münster nicht erneuert. Zum neuen Intendanten wählte der Rat der Stadt Münster den 50jährigen Schauspieldirektor Alfred Erich Sistig von den Münchener Kammerspielen.

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