Weil die Thronfolge nicht gesichert isiAbfindung, Rente, Schmuck

Schah und Soraya geschieden / Heute amtlich aus Teheran

Teheran/Köln, 14. März Der Schah und Soraya sind geschieden. Heute vormittag hat der Kaiserhof in Teheran amtlich bekanntgegeben, daß die Ehe zwischen Schah Reza Pahlewi und der Kaiserin wegen deren Kinderlosigkeit aufgelöst worden sei. Soraya, die sich zurzeit in Köln aufhält, wird nicht wieder nach Teheran zurückkehren.

Den entscheidenden Anstoß zu dem Entschluß des Schahs gab, wie es in der amtlichen Mitteilung heißt, eine Sitzung des Thronrates in Teita^n am 1. März. Der Rat, dem alf^volljährigen Mitglieder der kaiserlichen Familie angehöden, entschied: Im Interesse Persiens muß ein direkter Sproß von Mohammed Reza einmal seine Nachfolge als Schah antreten.

tot Schah tob" "Ml der *ef"uiw des ThrownllM as"e*4*taM"9. sagt die amtftkfae HittdhMw. Er***etoe" Soriferfcarler zur Kaiserin. haA KM" entsandt, um sie über dl" Angelegenheit *u unterrichten. Die Kaiserin habe dem Sonderbotschafter erklärt, daB sie sur Sicherung der Monarchie in Persien zu jedem Opfer bereit sei.

Das amtliche Kommunique aus Teheran hebt hervor, daß der Schah die Empfehlungen des Thronrates mit "tiefer Betrübnis" aufgenommen habe. Der Monareh habe inflher wieder betont,

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daß er Sorayas "Hingabe für die Sache der Nation und ihre Dienste für das Wohlergehen des Volkes während der siebenjährigen Zeit ihrer Ehe" hoch zu schätzen wisse. Sie habe den hohen Rang, den sie während der Ehe einnahm, voll verdient.

Die eigentliche Scheidung war dann allerdings nur ein einseitiger Willensakt des Herrschers. Nach mohammedanischem Recht wird der sogenannte Talak (Auflösung einer Ehe) durch eine Willenserklärung des Ehemannes ausgesprexhen. Er entläßt seine Frau aus "seiner Obhut", wie es heißt In den wohlhabenden Familien der mohammedanischen Welt ist es schon seit lange" üblich, daß eine Frau keine Ehe eingeht, ohne sich schon vor der Hochzeit schriftlich die Geldsumme garantieren zu lassen, die sie im Falle der Scheidung vom Ehemann ausgezahlt bekommt

Nach Mitteilung aus persischen Hofkreisen dürfte Soraya eine Mahrjeh (Abfindung nach Ehescheidung) von rund 565 000 DM bekommen. Außerdem erhält sie zeitlebens eine hohe monatliche Rente. Den Wert des Schmucks, den der Schah ihr in den letzten Jahren geschenkt hat, schätzt man auf mehrere Millionen Dollar. Die Kronjuwelen, die sie bei offiziellen Anlässen trug, .bleiben im Besitz des persischen Hofs.

Zu den vielen Gerüchten, die in den letzten Jahren über das Eheleben der persischen Herrscherfamilie in Umlauf gesetzt worden waren, hatte gestern noch eine nach Teheran entsandte Sonderkorrespondentin der italienischen Wochenzeitschrift "L'Europeo" beigetragen. Sie behauptet, Soraya sei durchaus imstande, einem Kind das Leben zu schenken. Ein französischer Gynäkologe habe ihr einen Eingriff empfohlen, den sie allerdings bei vollem Bewußtsein hätte über sich ergehen lassen müssen. Soraya, die sich ? wie am Hof in Teheran allgemein bekannt ? vor jeder Art von Schmerzen wie ein Kind fürchtete, habe auf diesen Eingriff verzichtet. Diese Ablehnung habe dann zu den schwerer. Differenzen zwischen ihr und der kaiserlichen Familie geführt.

Die persische Botschaft in Köln ? die jetzt 26jährige Soraya hält sich dort seit Anfang März auf ? war heute früh über die Auflösung der Ehe offiziell noch nicht unterrichtet. Nach Mitteilung des Pressereferenten erfuhr Soraya von dem Beschluß des Schahs durch die Meldungen der Nachrichtenagenturen!

Obwohl Soraya den Vorschlag des Schahs, eine zweite Frau neben sich hinzunehmen, abgelehnt hatte, hoffte ihre Familie bis zuletzt, daß es dem diplomatischen Geschick ihres Onkels Bachtiari ? er fuhr als Vermittler zwischen Teheran und Köln hin und her ? gelingen würde, den Schah umzustimmen. Botschafter Esfandiari, der Vater Sorayas, erwartet seine Abberufung. Um ihn nicht zu belasten, wird die Exkaiserin nicht in der Botschaft bleiben.

Freunde Sorayas sind überzeugt davon, daß der Schah von seiner Umgebung zur Scheidung gezwungen wurde. Die Scheidung zeige, daß auch die Stellung des Herrsehers erschüttert sei. Die größte Tageszeitung Teherans "Kehaan" habe erst kürzlich kritisiert, daß der Schah versuche, seinen autoritären Vater nachzuahmen, ohne dessen Talente zu besitzen.

. Das Botschaftsgebäude in Köln glich einer belagerten Festung. Journalisten aller Länder warten darauf, von der Kaiserin einen Kommentar zu bekommen oder ein Bild schießen zu können. In Teheran sieht man in der öfentlichkeit schon keine Bilder Sorayas mehr. Man hat sie in den letzten 36 Stunden alle entfernt.

Daß Schah Reza schon eine neue Frau auserkoren habe, wird heute früh am persischen Hof noch dementiert Seine erste Ehe, mit Faruks Schwester Fawzia, war ebenfalls 'geschieden worden, weil sie ihm keinen männlichen Thronerben geschenkt hatte.

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