Lustige Knallbonbons, serviert zum Schmunzeln

Venus von Willendorf und andere Kuriosa

Wir sagen schon jetzt "Prost", liebe Leserinnen und Leser. Denn diese Zeilen brauchen Silvesterlaune, Heiterkeit und ein zwinkernd zugedrücktes Auge. Was die Zeitung hier schmunzelnd zur Jahreswende präsentiert, sind lauter kleine Nachrichten von Anno 1958, die als lustige "Knallbonbons" für diese Nacht der Nächte aufbewahrt und gesammelt wurden. Leserreporter des Hamburger Abendblattes waren die Hersteller. Also nochmals: "Prost!" Und dieser

Schluck gilt nachträglich jener jungen Frau, die an einem Tag im Juni . . . aber lassen wir den Leserreporter selbst berichten: "Frau W. heiratete heute gegen 15 Uhr und gebar um 18.50 Uhr in der Klinik einen kräftigen Jungen." Auf so viel Glück läßt sich wirklich trinken. Weniger glücklich freilich waren die Umstände, die einen 70jährigen Winterhuder ins Krankenhaus brachten. Der alte Herr hatte schon längere Zeit über heftige Leibschmerzen geklagt. Auf ärztlichen Rat wurde er operiert. Und Leser S. berichtet weiter: ?Die Ärzte förderten einen Teil des Gebisses zu Tage, dessen Fehlen von dem Träger überhaupt nicht bemerkt worden war. Der Siebzigjährige ist inzwischen wieder kerngesund.

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Apropos Leibschmerzen! Rentner G. aus Volksdorf hält es da mit der guten alten Gummi-Wärmflasche. "Sehr viele Leiden sind mit Wärme zu lindern", schrieb er an die Redaktion. Besonders für Rheuma- und Ischiaskranke empfiehlt er seine Methode: ?Ich habe seit 40 Jahren Ischiasschmerzen. Ich fülle mir eine Gummiflasche mit heißem

Wasser und stecke sir mir hinten in die Hose. Dann bin ich imstande, meine tägliche Arbeit zu verrichten, ohne daß von der Flasche etwas zu sehen ist. Früher im Kontor saß ich natürlich auch mit der Wärmflasche in der Hose am Schreibtisch. Sollte mal der Verschluß kaputtgehen, nehme man zum Verschließen einen Korken!" *

"Man nehme . . ." rät auch Frau Seh. aus Elmshorn in einer Zuschrift. Ihr Heilpatent, das sogenannte "Metall- Verfahren", gehe auf die Erfindung eines französischen Arztes im Jahre 1847 zurück. Die Gute schreibt: ?Man nehme einen millimeterstarken Kupferdraht,

wickele ihn zu einer Spirale auf und befestige ihn mittels einer Öse an der Höhlung der Hacke. An der rechten Schlagader befestige man eine gleiche Spirale aus Stahl." Wem dies spanisch

vorkommt, der staune: Frau Seh. hat, wie sie versichert, mit dem Metallverfahren Herzfehler, Zahnschmerzen,

Hühneraugen, Hautausschläge und Bartflechten behandelt.

Über den Erfolg kann weder das eine noch das andere gesagt werden. Vielleicht aber (sollte das ,,MetalWerfänreh ,< auch im folgenden Fall angewendet werden, den eine 75jährige Frau aus Eimsbüttel so darstellte: "Unheimliche Strahlungen durch Atomreaktoren werden nachts von gewissen Leuten, die ich zum Teil kenne, heimlich ins Haus gebracht. Diese Leute sagen, ich solle für frühere Missetaten bestraft werden ? ich weiß aber nicht, wofür. Nun kann ich nachts nicht mehr schlafen."

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Viel erfreulicher war jener Hinweis des Lesers B., er habe in seinem Garten eine Tomate gezüchtet, die wie die "Venus von Willendorf" aussehe, von der sich eine Kopie im Altonaer Museum befinde. Die "Venus von Willendorf", muß man wissen, ist eine rund 50 000 Jahre alte kleine Statue vorzeitlicher Kunst, die in Österreich gefunden wurde und überdimensionale weibliche Formen aufweist. Die solcherart gestaltete Tomate wollte Herr B. nun loswerden, und erbat darum den Besuch eines Reporters. Der kam denn auch und hielt die Tomaten- Venus im Bilde für die Nachwelt fest

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In dieser Kuriositäten-Sammlung spiegeln sich auch die großen "Probleme" unserer Tage. Eine Frau aus einem Vorort rief die Redaktion an: ?Ich möchte meinen Namen nicht nennen, denn ich habe Angst, daß ich sonst verfolgt werde. Aber ich wollte doch mitteilen, daß es bei uns draußen noch Schlachter gibt, die dauernd Nitribitt in ihr Hack tun. Dagegen muß mal etwas getan werden.

Aber ich möchte mich da nicht rein mischen."

Oder dieser Notruf aus der Heilwig straße: "Hier riecht es zum wiederholten Male sehr stark nach abgestandenen Bratkartoffeln. Heute morgen ist der Gestank wieder scheußlich. Dabei ist kein Restaurant und kein Geschäft in der Nähe. Ich bitte Sie, diesem Geruch nachzugehen."

Kleine Streitereien sind menschlich. Recht handfest war allerdings ein Ehekrach, der in einem Vorortzug nach Pinneberg begann und sich nach dem Aussteigen auf dem Heimweg fortsetzte. Leser S. aus Eppendorf war Zeuge: "Die Eheleute waren in einen heftigen Streit verwickelt. Sie verließen mit mir den Zug und gingen vor mir durch einen Wald. Plötzlich gab der Ehemann seiner Frau eine derbe Ohrfeige. Ich hielt es für angezeigt, einzugreifen und fragte den Mann, ob er nicht etwas zuweit gegangen sei. ,Ja', antwortete er, ,das bin ich wohl. Die Ohrfeige hätte ich ihr schon im Zttgge'ben sofien?"