Wie fährt man sicherer, aber flüssiger?

Handelskammer kritisiert das "Tempo 50"

| Lesedauer: 2 Minuten

Für den Ablauf des Verkehrs ist die Geschwindigkeitsbegrenzung auf "Tempo 50" hinderlich. Diese Meinung vertritt die Handelskammer in ihrem jetzt herausgegebenen Jahresbericht 1957. Der Erfolg der Maßnahme, so heißt es, sei im Hinblick auf die Zahl der Unfälle relativ klein. Aber das ist kein endgültiges Urteil.

Trotz der Zunahme der Kraftfahrzeuge, so stellt der Bericht der Handelskammer fest, habe sich die Zahl der Unfälle wie auch die Zahl der Toten und Verletzten etwas verringert. Zweifellos ein Erfolg! Ob er allerdings von Dauer sein werde, müsse man noch dahingestellt sein lassen, weil ein endgültiges Urteil nicht gefällt werden könne.

Die Handelskammer meint, es sollten andere Wege gesucht werden, um den Verkehr sicherer und dabei flüssiger abzuwickeln. "Man muß überlegen", sagte heute Dr. Preiss, der Syndikus des Ausschusses Verkehr der Handelskammer, dem Hamburger Abendblatt, "wie man die Erfolge beibehalten, aber den Ablauf des Verkehrs verbessern kann."

Der Straßenverkehr in der City hat sich weiterverdichtet, heißt es im Jahresbericht. Immer öfter, besonders in den Nachmittagsstunden, ergeben' sich Stokkungen, die den Verkehr völlig lahmzulegen drohen. Die durch den U-Bahn^ Bau zwischenzeitliche und unvermeidliche Behinderung des Verkehrs dürfte sich durch organisatorische Maßnahmen abkürzen lassen. Die Kammer schlägt vor: Konzentriert die Arbeiten auf möglichst wenige Baustellen!

Auf Grund der bisherigen Erfahrungen müsse allerdings damit gerechnet werden, daß alle Verbesserungen von dem wachsenden Verkehr überholt werden. Einzelfahrten im Stadtkern müßten deshalb auf lange Sicht gesehen beschränkt werden. Dabei sei abzuwägen, wo jeweils dem Personenwagenverkehr oder dem Güterverkehr mit Kraftfahrzeugen der Vorrang gegeben werden müsse. Die Wirtschaft erwarte, daß einschneidende Maßnahmen vorher mit ihr abgesprochen werden.

Die Kammer schlägt vor, Parkmöglichkeiten außerhalb des Stadtkerns zu schaffen. Diese Plätze müßten durch leistungsfähige öffentliche Verkehrs Verbindungen an die City angeschlossen werden.

Einen ersten Ansatzpunkt zu solchen Planungen biete die für dieses Jahr vorgesehene City-Buslinie. Die Besitzer von Privatwagen könnten dadurch für die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgewonnen werden. Viele würden die tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz und zurück gern mit einem Schnellbus machen, wenn das Liniennetz ausreichend sei. Die Fahrgäste seien wohl auch bereit, für qualitativ bessere Beförderungsleistungen höhere Tarife zu bezahlen. mt

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: 1958