Blick in die Zukunft: Verkehr auf Stadt-Autobahnen Plan der Baubehörde :135 Kilometer langes Netz

Blick in die Zukunft: Verkehr auf Stadt-Autobahnen

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Eigener Bericht

thi. Hamburg, 20. September Ein kühner Plan für den Hamburger Straßenverkehr: Die Hansestadt soll, wie die amerikanischen Millionenstädte, ein eigenes Stadt-Autobahn-Netz bekommen. In aller Stille sind in der Baubehörde jetzt die Entwürfe fertiggestellt worden. Danach soll, über die wichtigsten Stadtteile verteilt, ein insgesamt 135 Kilometer langes Netz autobahnartiger Schnellstraßen errichtet werden Unabhängig vom bisherigen Straßennetz und mit ganz neuer Linienführung werden sich die Stadtautobahnen durch Hamburgs Häusermeer ziehen.

Das Endziel dieses Riesen-Straßenbau- Programms: Die Entlastung des immer mehr anschwellenden Verkehrs. "Wir werden auf längere Sicht die Straßen nicht mehr wie bisher ausbauen können", erklärte Erster Baudirektor Professor Sill dem Hamburger Abendblatt zu diesem Plan. "Wir brauchen ein neues System."

Die Entwürfe für die Stadt-Autobahnen sind bereits so weit fertiggestellt, daß sie als Leitplan in den neuen Hamburger Aufbauplan eingearbeitet werden können, der noch vor Ende des Jahres vom Senat der Hamburger Bürgerschaft zur generellen Beschlußfassung vorgelegt werden soll. Die Verwirklichung dieses riesigen Straßenprojektes wird selbstverständlich Jahre in Anspruch nehmen.

Hier die ersten Einzelheiten der geplanten Stadt-Autobahnen, die in ihrem Äußeren und in ihren Maßen den Bundesautobahnen ähneln werden: ? Zwei Fahrspuren für jede Fahrtrichtung. "

- Zwischen den beiden Fahrtrichtungen ? wenigstens an den meisten Stellen ? ein trennender Mittelstreifen (erhöhte Betonlage oder Grünstreifen).

- Freihaltung des gesamten neuen Stra- ßennetzes von Anliegern.

Das macht erforderlich, für die Stadt- Autobahnen eine neue Straßenebene zu schaffen. Sie sollen deshalb, um den bisherigen Straßenverkehr nicht zu behindern, zum größten Teil hoch angelegt werden. Ein langes Betonband, auf eleganten Stützpfeilern stehend. Ein Teil der 135-Kilometer-Strecke wird auch unter die Erde in Tunnel verlegt werden müssen.

Die Zu- und Abfahrten zwischen den Stadt-Autobahnen und dem normalen Straßennetz sollen in der Innenstadt höchstens alle Kilometer, in den Randgebieten in noch größeren Abständen gebaut werden. Man wird sich dabei vor allem parallel geführter Rampen bedienen. Nur in den noch freieren Außengebieten sind "Kleeblatt-Zufahrten" vorgesehen.

Das geplante Stadt-Autobahnnetz soll schon in den Außengebieten die wichtigsten Fernstraßen erfassen und auch den Durchgangsverkehr aufnehmen. Vorwiegend sind die Stadt-Autobahnen jedoch für den innerstädtischen Verkehr gedacht. Längere Strecken von einem Stadtteil zum anderen wird man auf ihnen, wenn auch mit etwas Umweg, rascher und gefahrloser bewältigen können.

Über die Linienführung der Stadt- Autobahnen wird in der Baubehörde zur Zeit noch Stillschweigen gewahrt. Wie das Hamburger Abendblatt erfährt, soll das Netz der neuen Schnellstraßen jedoch auf zwei Halbkreisen basieren. Einer dieser Halbkreise wird vermutlich die City, im Raum der Ost-West-Straße, durchziehen, der zweite Halbkreis den Raum Sechslingspforte/Barmbeker Str./ Eppendorf erfassen. Dazu dann radiale Abzweiger nach Lokstedt, Langenhom, den Walddörfern, Wandsbek, Bergedorf, den Eibvororten und, mit einer Untertunnelung der Elbe von Teufelsbrück nach Finkenwerder, in das Süderelbegebiet.

Der Bau dieser Stadt-Autobahnen, wird in der Baubehörde betont, würde auch den übrigen Verkehrsteilnehmern durch die Entlastung der bisherigen Straßen zugute kommen. Ein besonderes Problem der Planung: Jetzt den Raum für die Autoschnellstraßen zu schaffen und den bisherigen Straßenausbau mit dem zukünftigen Stadt- Auto-Netz in Einklang zu bringen. Daran wird gearbeitet.

Über die Kosten ist bisher noch nichts verlautet. Nach vorsichtigen Schätzungen ist jedoch anzunehmen, daß dieses Riesenprojekt mindestens eine halbe Milliarde DM erfordern wird. Allerdings hofft man, daß nach entsprechender gesetzlicher Regelung auch der Bund etwas zu dieser Summe beisteuern wird.

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