Bergmannstochter verlobte sich mit Millionärssohn

Das Glück kam aus Indien

Von unserer westdeutschen Redaktion

w. e. Herringen, 31. Dezember

So viel Glück am letzten Tag des alten Jahres! Zwei Herzen jubeln, und mit ihnen freut sich die ganze Stadt. Heute wird Verlobung; gefeiert, die Verlobung des Jahres, in dem kleinen Bergarbeiterstädtchen Herringen bei Hamm. Sie heißt Annemie Hildebrandt, ist 21 Jahre jung und schenkt ihr Herz dem Sohn eines indischen Millionärs, dem 23jährigen Kersey J. Gudzer aus Bombay.

"Es war Liebe auf den ersten Blick", ruft Annemie jedem zu, der sie nach ihrem Bräutigam fragt und danach, wie es zu dem Glück gekommen ist. Annemie ist Bergmannstochter und arbeitete zunächst in einem Büro ihrer Heimatstadt. Aber das Leben dort behagte ihr nicht sehr. So fuhr sie nach London, um dort als Hausangestellte zu arbeiten. "Ich wollte dort unter allen Umständen Sprachen lernen."

Eines Abends im "Internationalen Klub" begegnete ihr Kersey. Der Inder war in London, um Funktechnik zu studieren. Er übernimmt in Indien ein großes Radiowerk, das sein Vater, der vor 14 Jahren starb, aufgebaut hatte. Dem Sohn hinterblieb ein Millionenvermögen.

Aus dem ersten gemeinsamen Abend im Klub wurden unzählige mehr. So stand es für beide fest, daß sie zueinander gehörten und heiraten würden. Annemies Eltern war es zunächst gar nicht recht, daß sie ihre Tochter für immer ins Ausland geben sollten. Doch als Kersey zu ihnen kam, willigten Vater und Mutter Hildebrandt sofort ein. Und Kersey seinerseits hat die volle Zustimmung von Mutter und Schwestern, die die künftige Schwiegertochter jetzt schon mit großen Geschenken verwöhnen.

Einen Tag nach Neujahr fliegt Kersey in seine Heimat zurück. In drei Monaten wird Hochzeit sein, prunkvoll, orientalisch, mit 2000 geladenen Gästen. Die Bergleute in Herringen sind ganz aus dem Häuschen vor lauter Freude und so stolz auf ihre Annemie.