Menschlich gesehen:

Schach und Speer

Ein zwanzigjähriges blondes Flüchtlingsmädchen ist in diesem JÄhr Deutsche Schachmeisterin geworden. Nach zehntägigem nervenkostendejn Turnier, bei dem neun Siegen zwei Remis und eine Niederlage gegenüberstanden, erreichte in Lindau die Freiburger Oberprimanerin Helga Axt ebenso viele Punkte wie Hamburgs Meisterin Anneliese Brandler. Erst im dritten Stichkampf ? nach 17stündigem Duell ? gab Frau Brandler auf und überließ ihrer jungen Gegnerin den deutschen Meistertitel.

Niemand war glücklicher über diesen Erfolg als Helga, die ein hartes Schicksal meisterte. In Prag erlebte sie die Schrecken des Zusammenbruchs, erst 1953- fand sie mit der Großmutter und zwei Geschwistern in Freiburg eine neue Heimat Auch hier blieben die Sorgen nicht aus. Helga half im Haushalt mit, während sie die Volks- und die Hotelfatfhschule besuchte. Wegen ihrer überragenden Begabung wurde sie dann am Goethe-Gymnasium aufgenommen, wo sie als eine der besten Schülerinnen Ostern das Abitur bauen will.

Am liebsten würde das musisch und geistig gleich interessierte Mädel Kunstund Leibeserziehung studieren, aber, dazu fehlt das Geld. Das Schachspiel ist., nur eins von Helgas Steckenpferderi.'Sie malt und zeichnet auch gut Selbst im Sport hat sie es zu überragenden Leistungen gebracht. Im Speerwerfen holte sie steh den Titel einer Deutschen Jugendmeisterin. Eine Verletzung zwang sie in diesem Jahr zum Pausieren.

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