Und drei weitere Hamburger Filmpremieren

"Blaue Jungs" Liane

Wir hätten allen blauen Jungs (zumal jenen Zahllosen, die höchst ruhmlos auf der blauen See geblieben sind) einmal einen solchen erholsamen Breitwand-Ausflug auf eine Südseeinsel gewünscht . . .

Hier ist die vorübergehende Aussetzung eines Landungstrupps des deutschen Hilfskreuzers "Rheinstein" nachträglich Anlaß, die Ausgebooteten einmal abendfüllende Südseeromantik erleben zu lassen. Da^gibt es schmachtvolle Liebeleien bei immerwährendem Singsang unter Palmen zu gleich fünf deutschen "Südseeschlagern" von Fini Busch: Da geistert ein Schweizer Robinson mit Leidensbart durch den Busch und ergeht sich in düsteren Sprüchen über das prosaische Ende der letzten Paradiese. Da bedrohen ein eifersüchtiger Häuptling und gierige Haie die bonbonfarbenen Idylle, bis das graue Kriegsende einen Vorhang vor diese falsche Filmromanze zieht. Karl-Heinz Böhm, Claus B i e derstädt, Walter G i 1 1 e r und weitere bewährte Darsteller suchen diesem allzu leicht geschürzten Abenteuer vergebens glaubhaftes Leben einzuhauchen. (City) -de

Warum eigentlich nicht? ? Die Fortsetzungsverfilmung jenes abenteuerlichen Romans, der in der BILD-Zeitung seine Leser fesselte, macht auch in keiner Sekunde seines Ablaufs vor, daß sie "Kunst" sei. Sie fabuliert mit Lust, zur Unterhaltung des Publikums ? und es wäre müßig, an diesem Film einen gestrengen Maßstab anzusetzen, der ihm nicht paßt. Genauso müßig, wie etwa an die beinahe paradiesische Nacktheit des Mädchens Liane (Marion Michael) einen modischen Maßstab ansetzen zu wollen, während sie doch ihre unmodische, anmutige Körperlichkeit zeitlos daherträgt, als solle es so sein.

Liane also kehrt aus der Hansestadt zurück in den Urwald, der Zivilisation satt, und wenn sie doch am Ende dem netten jungen Mann (Adrian H o v e n) folgt, so geschieht es "aus Liebe" und nicht aus Sehnsucht nach dem Paradies der Weißen. Ein Märchen? ? Schön, aber ein harmloses, und man sollte dem Film nicht gram sein, daß er ein Häuflein Traum auf so unterhaltsame Weise auf die Leinwand setzt für jene, die danach verlangen. Es werden nicht wenige sein, wie wir vermuten. (Die Barke) hen

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