Viele Pläne, aber wer zahlt? / Hauptproblem: Die Bunker

Unser Heiligengeistfeld ist kein Paradestück

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"Ach, das ist das Hciligengeistf eld?" ? Das sagt der Fremde, dem wir unsere Stadt zeigen. Er sagt es mit unverhohlener Enttäuschung. Kein Zweifer. den Platz mit dem weltberühmten Namen hatte er sich ganz anders vorgestellt. Schöner! Mit etwas mehr Grün zumindest! Ein echtes Problem, dieses Heiligengeistfeld. Ein städtebauliches Ärgernis. Was kann man tun? Das Hamburger Abendblatt möchte diese Frage einmal anleuchten.

Hand aufs Herz: Mit diesem Platz, mit diesem Feld romantischer Erinnerungen und Vorstellungen, kann Hamburg, wenn nicht gerade die bunten Lichter des Domes strahlen, kaum Staat machen. Eine öde Platzanlage. Eine graue, ungefaßte Fläche. Und grau darin die Klötze der beiden Bunker. Häßliche Zeugen einer häßlichen Zeit. Die Angst, die wir alle einmal ausgestanden, nistet noch in diesen Betonriesen. Und sie strahlt noch immer über diesen Platz. Soll das immer so bleiben, fragt man sich also?

Schauen wir uns einmal kritisch um auf dem Heiligengeistfeld. Hauptproblem sind die beiden Bunker. Sollte man sie nicht bald abreißen? Das wäre, wenn man auf die Schönheit des Platzes abzielt, sicherlich das beste. Aber . . .

"Abreißen? Dieser Gedanke liegt uns fern", sagt man bei der Bundesvermögensstelle, der die Bunker (als ehemaliges Reichsvermögen) gehören. "Bedenken Sie bitte die Kosten. Mehrere Millionen Mark wären erforderlich. Das werden wir von Bonn nie bekommen. Und zudem: die Bunker haben ? wenn man das Thema einmal anschneiden darf ? auch einen Luftschutzwert." Nanu, man denkt, die Bunker sind entmilitarisiert worden? "Nur scheinbar", sagt die Bundesvermögensverwaltung, "theoretisch ließen sich die eingebrochenen Fensterhöhlen durchaus wieder schließen. Aber die Frage, ob die Bunker, wenn es erforderlich sein sollte, wieder echte Luftschutztürme werden sollen, ist noch keineswegs entschieden."

Soviel scheint also festzustehen: Wir werden die beiden Ungetüme kaum auf anständige Weise loswerden. Leider!

Aber da ist noch ein Plan: Sie wenigstens anzustreichen. In einer fröhlichen Farbe. Eine optische Entschärfung gewissermaßen. Auch das scheint an der Kostenfrage (etwa 160 000 Mark) zu scheitern. Zwar hat eine größere Schokoladenfirma einmal ein interessantes Angebot gemacht. Sie wollte den Anstrich übernehmen, wenn man ihr auf dem Dach des großen Bunkers eine bunte Lichtreklame genehmigte. Aber auch daraus wurde nichts. Keine Genehmigung. Die Baupflege war dagegen. Höchstens eine Reklame unterhalb des Daches hätte man erlaubt. Aber das wollte wiederum die Schokoladenfirma nicht.

Bleibt schließlich noch ein dritter Plan, der jetzt erwogen wird: Abschirmung der Bunker mit schnellwachsenden Bäumen, Umgrünung des ganzen Heiligengeistfeldes. Das scheint noch das aussichtsreichste Vorhaben. Dann wäre die jetzige Öde des Heiligengeistfeldes durch lichtes Grün verdeckt und überhaupt der Platz etwas hübscher gegliedert.

Auch das ist natürlich nicht billig. Immerhin 600 000 Mark würde es kosten. "Laßt doch wilden Wein oder Efeu an den Bunkern hochranken", meinten Leser des Hamburger Abendblattes, "das kostet nicht viel, geht schnell und verkleidet die Bunker." Aber die Gartenfachleute haben Bedenken: "An den glatten Bunkerwänden finden die Pflanzen keinen Halt."

Und ein Blick auf die weiteren Planungen für das Heiligengeistfeld. Dies ist vorgesehen: Der St.-Pauli-Sportplatz soll von der Ecke Millerntor zwischen die beiden Bunker verlegt werden. Mitsamt Tribünen, die seinerzeit zerlegbar gebaut worden sind. Meint die Planungsbehörde: Dann könnte der Engpaß am Millerntor beseitigt und ein durchgehender Grünzug geschaffen werden. Zudem würde dem Verein ein endgültiger und zukunftssicherer Platz gegeben. Man muß wissen, daß der FC St. Pauli, was den Platzvertrag betrifft, heute noch auf etwas heißem Boden sitzt.

Zu den zwei Schulsportplätzen an der Feldstraße/Glacischaussee sollen noch drei weitere hinzukommen. Sie sind so gedacht, daß sie zu Domzeiten leicht abmontiert werden können. Und zwischen Fernsehbunker und Schlachthof ist ein großer Parkplatz vorgesehen. Zukünftige Raststätte für Fahrzeuge aus den Außengebieten (Eibvororte). Von hier sollen die Fahrer (Motto: Die Parkplätze der Innenstadt sind verstopft) mit kleinen Bussen in die Innenstadt befördert werden. So sieht die Planung aus.

Aber das alles scheint noch Zukunftsmusik. Wenigstens was die Verlegung des St. -Pauli-Sportplatzes anbelangt. Auch hier die peinliche Frage: Wer soll es bezahlen? Der Verein? Die Hansestadt? Man wird sich auf einen vernünftigen Modus einigen müssen.

Alles in allem also wenig rosige Aussichten, daß das Heiligengeistfeld bald ein neues Kleid bekommt. Aber ein Nahziel sollte man doch ernsthaft ins Auge fassen: Die Umgrünung des Platzes und der Bunker. Das wenigstens müßte geschehen. Bald geschehen, übrigens. Im Haushalt sind dafür noch keine Mittel vorgesehen. Man wird beim Nachtragshaushalt daran denken müssen.

Übrigens nicht nur, um den Fremden eine Enttäuschung zu ersparen. Auch die Hamburger möchten gern, daß ihr Hei- Iigengeistfeid bald ein wenig entrümpelt wird. Hellmut Thieves

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