Junges Theater zeigt Bus-Feketes Lustspiel in Altona

Die Geschichte vom Diener Jean

Im Dezember will Friedrich Schütter sein Junges Theater im neuen Heim an der Marschnerstraße wieder er- öffnen. Oelschlegels "Romeo und Julia in Berlin", Sarments "Kinderpavillon", Alexanders "Hurra für Gina" und O'Caseys "Freudenfeuer" stehen zu

nächst auf seinem Programm. Um derweilen nicht in Vergessenheit zu geraten (vor welchem Schicksal ihn freilich die vergangenen fünf Jahre mit ihren steigenden künstlerischen Erfolgen schützen dürften), gibt sein Ensemble gegenwärtig im Altonaer "Haus der Jugend" eine heitere "Zwischenspielzeit", vornehmlich für die Volksbühne, mit Ladislaus B u s- F e k e t e s ? J e a n" in der deutschen Bearbeitung von Hans Jaray.

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Bus-Feketes Komödchen vom Diener Jean, der seinen Brotherrn, den konservativen Ministerpräsidenten, damit überrascht, daß er als sozialistischer Abgeordneter mit ihm ins Parlament einzieht, Ist ein schon bewährtes Erfolgsstück. Hans Jaray hat die Rolle vor zwanzig Jahren bei der Uraufführung in Wien (neben Albert Bassermann) gespielt; in einer Neufassung begann das Lustspiel vor drei Jahren einen neuen Siegeszug, auf dem es augenblicklich u. a. in Zürich Station macht

Für die (bislang) jeweils nach Bedarf zusammengestellte Spielgemeinschaft des Jungen Theaters bedeutet diese leichte Kost einen ziemlich schweren Brocken. Ein einschlägig eingespieltes Ensemble ? das des Thalia-Theaters zum Beispiel ? hätte es da weniger schwierig. Was Klaus Schrader als Regisseur gelungen ist muß vor allem unter diesem Gesichtspunkt gewertet werden. (Nach Priestleys "Ein Inspektor kommt", Scheus "Pariser Geschichten" und Marcels "Mann Gottes" hat er, wieder auf anderer Ebene, einen neuen überzeugenden Ausweis seines Könnens gegeben.)

Auf der von Karl Heinrich mit kleinen Mitteln erstaunlich gestalteten Szene, die sich praktischerweise auf das Terrassenbild beschränkt, entwickelt sich darstellerisch amüsantes und optisch erfreuliches Spiel. Schütter variiert seinen doppelgesichtigen Jean nicht sonderlich stark, aber doch hübsch, und Verena W i e t vertritt höchst reizvoll und damenhaft die zum "Feind" überlaufende Opposition der Familie des Ministerpräsidenten. Den stellt mit der Toleranz des Erfahrenen Paul S c h u c h dar. Die Mutter mit ihrer rührenden Spätschaltung ist bei Erna N i 1 1 e r in guten Händen. Werner Rundshagen, mit gegebener Penetranz der Schwiegersohn, Borchert als schlechter Jean-Ersatz, Helga K e c k s kecke Yvonne und der Rundfunkmann (Vahl bzw. Kipka) runden angenehm und haben ihren Anteil an einem echten Publikumserfolg. ha

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