Abendblatt-Sport-Fibel

Hamburger Turnerbund von 1862 "Erst nach Aufhebung der Turnsperre In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war es dem Volke wieder gestattet, gemeinsame Leibesübungen zu betreiben. Damit war die Veranlassung ?ur Gründung von Turnvereinen gegeben. Aus diesem Geist ist auch der Hamburger Tur nerbund von 18 6 2 entstanden." So steht es geschrieben

in der Vereinsgeschichte dieses angesehenen Hamburger Vereins aus Anlaß seines 75Jährigen Bestehens Im Jahre

1937.

Der 1. Mal ist der Gründungstag. Aus dem Bildungsverein

für Arbeiter in St. Georg abgezweigt, turnte man zuerst in der Kirchenallee, dort, wo heute die Ernst-Merck-Straße anfängt. Die in jener Zeit aufblühende wirtschaftliche Entwicklung zwang den Verein häufig, den Turnplatz zu wechseln. Das führte in den Gründerjahren zu erheblicher Beunruhigung der Vereinsarbelt, die erst etwas sicherer aufgefangen wurde, als man an der Burgstraße teils aus eigener Kraft, teils mit Hilfe der Stadt, eine Turnhalle erstellte. Um die Wirtschaftlichkeit des Vereinsfundamentes zu sichern, schlössen sich der Hamburg-St. Georg Turnverein und die Borgfe'.der Turnerschaft "Gut Hell" mit dem Hamburger Turnerbund von 1862 zu einem Großverein zusammen. Namen wie Louis Hasenkamp und August Damm sowie Arnold Pfeiffer sind aus jener Zeit weit über die Grenzen Hamburgs bekannt geworden.

Durch die Aufnahme des Vereins für Bewegungsspiele im Jahre 1919 erweiterte der Verein seine bis dahin rein turnerische Haltung im weiteren Sinne des Sportes. Der Ruf moderner Sportführer wie Carl Dlem "Hinaus aus den Hallen", fiel beim Hamburger Turnerbund auf fruchtbaren Boden. Handball, Schwimmen, Fußball, Leichtathletik und in der jüngsten Zeit Tischtennis und Basketball brachten dem Hamburger Turnerbund einen guten Ruf ein. Männer wie Griesbach und Lange entwickelten sich zu markanten Stützen im Vereinsleben. Daneben wurde das Turnen als breite Grundlage fortgeführt.

Große Erfolge hat der Verein zu verzeichnen. Wohl die vielseitigste Turnerin und Sportlerin Anni H o 1 d m a n n war 1928 bei den Olympischen Spielen ln Amsterdam Siegerin mit der deutschen 4X100-Meter-Staffel. Käthe Köhler errang 1936 in Berlin die Medaille in Bronze bei den Olympischen Spielen im Turmspringen. Unzählig sind die Erfolge in der Leichtathletik im Handball, in allen Lagen und Schwimmstilen. Heute nimmt der Verein im Hamburger Sport eine geachtete Stellung ein. Er vertritt die Idee der modernen Linie mit dem gesunden Fundament der Breitenarbeit.

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