Hubo Lüer ist tot

Gerade waren wir dabei, unseren Tannenbaum zu putzen, da erreicht" uns die Nachricht, daß du in die Ewigkeit abberufen bist. Es war am 24. Dezember um 9 Uhr. Einmai hast du noch aufgeblickt.

dann wolltest du Ruhe haben und bist eingeschlafen.

Zwei Tage vorher haben wir noch auf dem Turnplatz gestanden. Du leitetest das Jahres-Abschlußturnen deiner großen Alt- Herren-Abteilung, der größten, die wir in Deutschland haben, und die du ganz allein geschaffen hast. Abteilung LUer nannten wir sie schon, als du noch unter uns warst. Jetzt Ist dieser Name und diese Abteilung dein Denkmal geworden. Es soll ein lebendiges Denkmal bleiben. Deine Abteilung wird weiterleben. Im neuen Jahr geht es wieder weiter. Du wirst dann nicht mehr auf dem Vorturnertisch stehen, aber dein Geist wird dennoch unter uns sein. Dein guter Geist, der* dir so viele Freunde schaffte.

Wir trauern um dich, lieber Hugo Lüer. und nicht nur dein engerer Freundeskreis des H. T. v. 1816 wird dir am Donnerstag in Ohlsdorf das letzte Geleit geben. Dich kannte halb Hamburg. Tausende von Turnschülern sind durch deine Schule gegangen, damals ln der Halle an der Großen Allee. Wenn wir zusammen einmal durch die große Stadt gingen, dann zogen die Menschen den Hut vor dir, und du sagtest stolz und zufrieden: "Das war ein Schüler von mir".

Du hast die Kleinen wie die Großen den Sport gelehrt. Wie du es tatest, das war deine eigene Kunst. Daß sie gut gewesen ist, bewiesen dir dl" vielen Freundschaften, die du im Leben knüpftest. Du warst stets unser Vorbild. Du warst ein Meister der Turnkunst. Viele Siege hast du ln jungen Jahren zur Ehre Hamburgs heimgebracht. Auf vielen Turn- und Sportfesten lm In- und Ausland bist du der Beste gewesen. Weil du etwas konnlest, und weil du immer jung, geblieben bist, warst du auch ein fortschrittlicher Mensch. Deiner Mitarbeit verdanken wir die gro- ßen Städtekämpfe lm Turnen. Du warst ein Schrittmacher des heutigen Kunstturnens.

später bist du dann als Kampfrichter im In- und Ausland ein gerechter Beurteiler gewesen, unbestechlich und gradlinig. Immer fandest du ein gutes Wort für den jüngeren. Dein Rat war wertvoll.

Im Wilhelm-Gymnasium zu Hamburg hast du als Freund der Jugend ? von den Kollegen geachtet ? lange gewirkt. Stet" bist du ein guter Mensch gewesen. Dein gerechtes Urteil hatte großes Gewicht. Wo du weiltest, herrschte Geselligkeit und Frohsinn. Freunde aus aller Welt verkehrten in deinem gastfreien Haute. Nun bist du heimgekehrt zu deTnem Sohn, d"n du über alle* litbfcst dnd allzufrüh hergeben mußtest. Du gingst von uns mitten aus dem pulsierenden Leben 68 Jahre weiltest du auf dieser Erde, zu kurz für alle, die dich kannten. Dennoch war es ein erfülltes Leben, das du gelebt hast. Niemals kannten wir einen kranken Hugo Lüer. Und nun bist du nicht mehr da. Groß ist der Schmerz aller, die um dich trauern. Lebe wohl, guter Freund!

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