Milliardärsjacht afe türkisches Schulschiff / Wiedersehen an der überseebrücke

"Savarona" in Hamburg

Heute morgen hat die "Savarona", ehemalige Mälliardärsjacht und heute türkisches Schulschiff, an der Uberseebrücke im Hamburger Hafen festgemacht. Jahrelang war sie der Mittelpunkt zahlreicher Gerüchte.

Eigener Bericht

Hamburg, 20. April

"Hein, kennst' emm noch"" rief heute morgen der Festmacher an der Uberseebrücke seinem Macker zu, als sie die Leinen der "Savarona" belegten. Trotz des türkischen Halbmonds um Hede war die Herkunft der ehemaligen Milliadärsjacht unverkennbar. Steinwerder heißt der Geburtsort, und Blohm & Voss sind die leiblichen Eltern des luxuriösen Geschöpfes, das heute als Schulschiff der türkischen Marine zu einem zweitägigen Besuch in der Hansestadt festgemacht hat

Mit 16 Offizieren, 30 Kadetten und ca. 80 Mann Besatzung ist der Stolz der türkischen Marine vom Bosporus auf die Reise gegangen. Es ist das erste Wiedersehen des Schiffes mit Hamburg nach 20 Jahren. Kommandant ist Fregattenkapitän Vedat Burak, ein erfahrener Fahrensmann und Instrukteur. Heute vormittag stattete er Bürgermeister Brauer und dem britischen Landeskommissar Dr. Dunlop einen Besuch ab. Für morgen haben sich Vertreter des Senats angemeldet, die dem Schiff einen Gegenbesuch machen.

Bis Mittwoch 17 Uhr bleibt die "Savarona" in Hamburg. Das Programm für die beiden Tage ist recht umfangreich. Reute wird ein Teil der Besatzung ins Operettenhaus auf der Reeperbahn gehen, morgen ist ein Theaterbesuch vorgesehen. Dazwischen ausgedehnte Stadtrundfahrten und Besuche öffentlicher Einrichtungen der Hansestadt.

Es gibt kaum ein Schiff, das die Phantasie der Hamlbuirger und 6eimer Fahrensleute so lange beschäftigt hat, wie dieses 1931 als größte Jacht der Welt erbaute Luxusschiff. Nahezu vier Jahre lang lag es seeklar am jenseitigen Ufer der Elbe in einen Schleier von Geheimnissen eingehüllt. "He kann de hohen Stüern droben mich mehr betolen", raunten sich die Schauerleute verständnisinnig zu, als die deutsch-amerikanische Besatzung der "Savarona" nach Jahren noch tagtäglich zum Deckwaschen im Hamburger Hafen zutörnte. Die Gerüchte schienen ebenso kein Ende nehmen zu wollen, wie die lange Liegezeit des weißen Traumschiffes. Kapitän Fish, im Umgang mit Milliadären geschult, verstand zu schweigen. Seine Heuer war ihm sicher, wenn das Schiff auch nicht auslief. Und wer kennt sich schon in den Marotten der "Upper ten" aus?

Fritz Härlin, der Besitzer der "Vier Jahreszeiten", stand gewissermaßen Pate, als sein Stammkunde, der steinreiche Amerikaner Cadvaladas beim Cocktail seinen neuen Einfall gebar. Vier Millionen Dollar kostete die Verwirklichung der Idee einer eigenen Jacht. Bei Blohm & Voss waren gerade flaue Zeiten. So entstand in kurzer Zeit auf den Helgen in Steinwerder dieses sagenhafte Luxusschiff.

Geld spielte keine Rolle. Während die Niethämmer rasselten, gingen die Amerikaner in Paris und London auf die Suche nach "stilvollen" Möbeln und Kunstschätzen für die Inneneinrichtung. Von dem Bett Maria Antoinette, das sie erbeuteten, war in Hamburg lange die Rede, wie auch von den prunkhaften Bädern aus kostbarem Marmor und für jeden Gast in anderen Farben. Auf dem Achterdeck des 4646 BRT großen Traumschiffes entstand sogar eine richtige Wiese mit Blumen. Später drehte dort Hans Albers seinen Film "Gold". Dann wurde die "Savarona" an die türkische Regierung verkauft, die das schwimmende Prunkstück ihrem großen Staatsmann Atatürk verehrte.

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